Sektionsgeschichte - bayerischer waldverein straubing

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Sektionsgeschichte

Über uns




110 Jahre Sektion Straubing 100 Jahre „Bayerwald" Straubing

Nach der Vereinschronik zusammengefasst von Werner Schäfer

Hofrat Franz von Leistner, Gründungsvorsitzender der Sektion Straubing

Der „Bayerwaldtag 2001" findet nach 20 Jahren wieder in Straubing statt und dies nicht ohne besonderen Grund. Die Waldfreunde in Straubing feiern nämlich ein doppeltes bzw. dreifaches Jubiläum: 110 Jahre Sektion Straubing im Bayerischen WaldVerein und 100 Jahre Verein „Bayerwald", der vor 75 Jahren sich mit dem Bayerischen Wald-Verein vereinigte. Dabei wurde die im Verein „Bayerwald" entstandene Zeitschrift „Der Bayerwald" zum Publikationsorgan des Bayerischen Wald-Vereins und begeht damit ebenfalls einen denkwürdigen Geburtstag. Aus diesen Anlässen legt die Sektion Straubing zum Bayerwaldtag am 19. und 20. Mai eine Vereinschronik vor, die Einblick gibt in die wechselvolle Geschichte der Sektion, den heutigen Stand der breit gestreuten Vereinsarbeit darstellt und einige besondere Merkwürdigkeiten und Begebenheiten aus der Sektionshistorie festhält. Das Werk, das sicher als eine wertvolle Bereicherung für die Biografie des gesamten Bayerischen Wald-Vereins bezeichnet werden darf, setzt sich aus Alfred Schmuckers Chronik bis zum Jahre 1981 und aus den Fortführungen von Paul Schäfer bis zum Jahre 2001 zusammen und stammt damit aus den Federn des langjährigen Vorsitzenden und Ehrenvorsitzenden der Sektion „Bayerwald" Straubing im Bayerischen Wald-Verein und des Ehrenmitglieds Paul Schäfer, der seit fast 50 Jahren die Geschicke der Sektion miterlebt und mitgestaltet. Der offizielle Name der Straubinger Sektion mag schon für manches Unverständnis gesorgt haben, denn er enthält eine besondere Straubinger Entwicklung, die nun durch die Chronik erhellt wird. Für die Straubinger Waldfreunde stellte sich gerade im Hinblick auf das Jubiläumsjahr die Frage nach der eigenen Herkunft noch einmal neu und Paul Schäfer beantwortete sie archivarisch nachvollziehbar und mit besten Gründen so: „Wenn bisher der Chronist und nicht nur er die Ansicht vertrat, die Sektion Straubing sollte der Tradition des ehemaligen Vereins „Bayerwald" folgen (dessen Namen sie führt) und als Geburtsdatum am 13. 10. 1901 festhalten, so setzte sich nunmehr eine andere Erkenntnis durch. Im Falle, dass sich zwei Vereine vereinigen, kann auf den Gründungstag des älteren Teils der unter einem Dach zusammen geschlossenen zurückgegangen werden. Das bedeutet, als Gründungstag unserer Sektion kommt der 13. April 1891 in Frage. Danach kann die Sektion im Jahre 2001 nicht nur den 100. sondern sogar ihren 110. Gründungstag feiern".

Die Sektion des allgemeinen Waldvereins

Bis 1926 bestand neben der Sektion Straubing im Bayerischen Wald-Verein noch ein weiterer Verein in der Gäubodenstadt, der sieh dem Bayerischen Wald widmete. Sein Gründer Johann Baptist Regner stammte selbst aus dem Wald. Am 7. Juli 1862 war er als eines von 12 Kindern in Neukirchen b. Hl. Blut auf die Welt gekommen und nach Wohnortwechsel der Familie nach Rittsteig im Jahre 1874 in das Kloster-Gymnasium Metten eingetreten. Sein weiterer Bildungs- und Berufsweg führte ihn über das Lyzeum in Regensburg zur Universität München, wo er Rechtswissenschaften studierte. Allerdings wurde er nicht Jurist sondern Journalist und dieser Beruf brachte ihn nach Aushilfstätigkeiten in West- Nord- und Mitteldeutschland im Jahre 1901 wieder in die Heimat zurück, nämlich nach Straubing. Er wurde Chefredakteur des Straubinger Tagblatts, dem er mit vereinsbedingten Unterbrechungen bis zum 31. Januar 1928 angehörte.

Farbige Briefaufkleber waren ein beliebtes Werbemittel der damaligen Zeit

Kaum in Straubing niedergelassen, betrieb Regner die Gründung eines „Waldlervereins". Erste Versuche im September 1901 schlugen zwar fehl, aber am 13. Oktober 1901 war es soweit. Das Straubinger Tag-' blatt meldete am 15. Oktober: „Straubing, den 14. Oktober. Gestern erfolgte im Zunftzimmer der Neumayer'schen Brauerei die Gründung eines Waldlervereins. Zweck desselben ist die schriftliche Festlegung der Sitten und Gebräuche der Bewohner des Bayerischen Waldes". Schon in dieser kurzen Notiz, die aber die Vereinsgründung zweifelsfrei belegt, kommt eine andere Schwerpunktsetzung gegenüber den Zielen des Bayerischen Wald-Vereins zum Ausdruck, gleichzeitig wird deutlich, dass es sich nicht um eine Konkurrenz handelte, sondern um eine Vereinigung, deren Bestrebungen die Absichten des Bayerischen Wald-Vereins ergänzten und abrundeten. Bis zum Zusammenschluss der beiden komplementären Vereine sollte es freilich noch ein Vierteljahrhundert dauern.

Zunächst ging es sichtlich aufwärts mit dem neuen Waldlerverein. Zu dem ursprünglich auf Straubing beschränkten „Waldler"Kreis stießen auswärtige Mitglieder, unter ihnen Hofrat Maximilian Schmidt aus München und die Feier des siebzigsten Geburtstags des „Wald-Schmidt" am 24. Februar 1902 brachte den „Waldlerverein" endgültig ins Licht der Öffentlichkeit. Noch im November 1902 beschloss die Generalversammlung neue Statuten und die Umbenennung in „Verein Bayerwald". Der kulturhistorische Zweck wurde wiederum betont, dazu kam jedoch die durch die Satzung festgeschriebene Herausgabe einer Vereinszeitschrift mit dem Titel „Der Bayerische Wald". Ende 1903 konnte der „Verein Bayerwald" 500 Mitglieder zählen. Die Mitgliederstruktur des Jahres 1905 sah in etwa so aus:

26,1% Akademiker (davon 50% Lehrer) 23,6% Handwerker, Kleingewerbetreibende 22,7% Angestellte, Beamte

11,4% Priester

7,6% Unternehmer, Großgrundbesitzer 3,0% Frauen

2,5% Rentner, Pensionäre 1,6% Künstler, Schriftsteller 1,0% Landwirte

0,6% Arbeiter, Tagelöhner

(nach J.Haller, S. 88) 1906 waren es ca. 1500 Mitglieder gegenüber etwa 2500 Mitgliedern beim Bayerischen Wald-Verein. Außerhalb des Stammsitzes Straubing entstanden Sektionen, die Förderer und Freunde reichten weit über den Raum der Donau und des Bayerischen Waldes hinaus. Mit den Generalversammlungen sollte jeweils ein Heimatfest verbunden sein. Zum Bayerischen Wald-Verein pflegte man freundschaftliche Kontakte und bereits im August 1906 klang von dessen Seite auch der Wunsch nach Vereinigung an.

Allerdings wurde gerade das Jahr 1906 zu einem gefährlichen Krisenjahr. Johann Baptist Regners hochfliegende Erwartungen bezüglich eines auch finanziellen Erfolges der Vereinszeitschrift erwiesen sich als Illusion, die Abschaffung des „Judenparagraphen", d.h. der Beschränkung der Mitgliedschaft auf Mitglieder christlicher Konfession, vor allem vom Ehrenmitglied „Wald-Schmidt" betrieben, stieß z.T. auf Missgunst in der Mitgliedschaft. Regners Führungsstil, sein totales Aufgehen in den Vereinsbelangen, stießen auf herbe Kritik und Widerstand. Die Vereinszeitschrift und die Geschäftsstelle wurden von Straubing nach Passau verlagert, im November 1908 wurde mit dem Straubinger Kunstmaler Michael Hafner ein neuer 1. Vorsitzender und eine neue Vorstandschaft gewählt. Wiederum wurde die „nähere Fühlung" mit dem Bayerischen Wald-Verein beschlossen.

Der „Verein Bayerwald" erholte sich wieder und überlebte auch die allem Vereinsleben widrigen Weltkriegsjahre. Unter Studienprofessor Baumgartner als 1. Vorsitzendem und Verlagsleiter Ludwig Pronold als 2. Vorsitzendem wandte er sich in den Jahren 1921 bis 1924 der Heimatbewegung zu. Die Mitgliederzahl stieg von 720 im Jahre 1922 auf 2000 im Januar 1924. Trotz der eigenen Blüte blieben die Beziehungen zum Bayerischen Wald-Verein weitgehend in Takt. Doppelmitgliedschaften bestanden und die Vereinszeitschrift stand - zumindest meistens - auch dem Bayerischen Wald-Verein offen und berichtete über dessen Aktivitäten, z.B. im Jahre 1921 über ein bemerkenswertes Ereignis in der Sektion Straubing:

„Straubing (Ankauf des Pröllergipfels durch die Waldvereins-Sektion Straubing). Durch die Initiative des sehr rührigen Vorstandes der hiesigen Sektion, Herrn Rechtsanwalt Alfons Prager, wurde gegen Ende des Jahres 1921 durch die Sektion der Gipfel des Pröllers (1048 Meter) angekauft. Es ist geplant, ein großes Kreuzbild auf dem Gipfel des Berges zu errichten. Am Christi-Himmel-fahrts-Tag dieses Jahres werden voraussichtlich die Pfarrherren der angrenzenden Pfarreien die feierliche Einweihung vornehmen". (nach Schmucker, S. 21)

1924 schien der Zusammenschluss zwischen dem „Verein Bayerwald" und dem Bayerischen Wald-Verein greifbar nahe. Die Generalversammlung vom 13. 1. 1924 mit der Wahl des Studienprofessors Hans Rohrmayr zum 1. Vorsitzenden des „Verein Bay-erwald" in Anwesenheit von zahlreichen Gästen aus dem Bayerischen Wald-Verein erörterte Möglichkeiten der Fusion. Vom 14. mit 17. August 1924 fand in Straubing eine Heimattagung der Arbeitsgemeinschaft „Donau-Waldgau" statt, unter Federführung der Stadt Straubing, des Historischen Vereins Straubing, des Vereins Bayerwald und des Bayerischen Wald-Vereins Sektion Straubing. Die gemeinsam geplanten und durchgeführten Tage wurden ein Riesenerfolg. Und dennoch dauerte es bis zum 9. Mai 1926, bis im Saal des Gasthofes Volker in Deggendorf durch die endgültige Vereinigung ein neuer „Bayerischer Waldverein" mit der vom „Verein Bayerwald" übernommenen Zeitschrift „Der Bayerwald" entstand.

Von der Vereinigung zum vorläufigen Ende

In Straubing wurde am 28. Juni 1926 von den bisherigen Vereinsvorständen eine Versammlung einberufen mit dem Ziel einer Sektions-Neugründung. Eine neue Satzung wurde gebilligt und im Andenken an den „Verein Bayerwald" erhielt die Ortsgruppe den Namen „Sektion Bayerwald Straubing des Bayer. Waldvereins e.V.", ein besonderer Name, der in diesem Jubliläumsjahr 2001 den 75. Geburtstag feiert!

Im Sektionszweck verbanden sich die ursprünglichen Hauptziele der beiden fusionierten Partner und an der Spitze standen der ehemalige Vorsitzende der Ortsgruppe des Vereins Bayerwald, Studienprofessor Ludwig Baumgartner und der bisherige Vorsitzende der Sektion Straubing des Bayerischen Wald-Vereins Rechtsanwalt Justizrat Prager. Am 24. Juli 1926 wurde die Sektion in das Vereinsregister beim Amtsgericht Straubing eingetragen. Ende 1927 übernahm der Rechtsrat und spätere 1. Bürgermeister Dr. Otto Höchtl den 1. Vorsitz der Sektion, 1929 den des Gesamtvereins. Neben ihm waren u.a. prägende Namen der Sektion: Hans Rohrmayr, Justizrat Prager, Studienprofessor Keim und Studienrat Eugen Hubrich. Die Förderung des Waldes, der Heimatgedanke in schwer belasteter, von Ideologien und Krisen geschüttelter Zeit war ihnen ein gemeinsames Anliegen. Doch die Verschiedenheit der Wege, des persönlichen Bekenntnisses, des Einsatzes und der Einsatzmöglichkeiten traten deutlich zutage, als die NSDAP die Macht ergriffen hatte. Dr. Höchtl wurde aus dem Bürgermeister- und Hauptvereinsamt gedrängt, Joseph Keim zur Seite geschoben, das jüdische Ehrenmitglied Prager mundtot gemacht. Eugen Hubrich übernahm die Vereinszeitschrift, sein Wirken ist dort nachzulesen. Der Straubinger Lehrer Karl Weiler, bisher Vorsitzender des Wege- und Hüttenausschusses des B.W.V., trat von der Partei gestützt an die Stelle Dr. Höchtls als Stadtoberhaupt von Straubing und Führer des Hauptvereins.

1933 fand in Straubing das 50jährige Jubiläum des Bayerischen Wald-Vereins zusammen mit dem 30. Geburtstag des ADAC statt, zu dessen „5. Ostmarkfahrt" 518 Fahrzeuge zum Start in die B.W.V.-Zentrale Straubing kamen. Begleitet vom Beifall der 2500 Festgäste begrüßte der neue Oberbürgermeister und Vereinsführer Karl Weiler den Ehrengast, Staatsminister Hermann Esser, mit markigen Worten:

„Willkommen, wer uns beisteht, wer den Sinn des Grenzkampfes erkannt hat, wie ihn der Bayerische Waldverein seit 50 Jahren zäh und unbeirrt führt, der, obwohl von der früheren Regierung nicht entsprechend gewürdigt, aber dennoch um Volk und Vaterland willen durchgesetzt werden musste. Diese Kämpfer von damals gehören mit zu den Soldaten Hitlers. Darum willkommen hier in Straubing alle die, die morgen das uns heilige Grenzmarkgebiet betreten, mit einem neuen Treueschwur zum Führer, zu Deutschland. Wenn morgen das Volk am Arher steht und vom Holzhauer bis zum Minister sich die Hände reicht, dann wird es heiß aufsteigen in den Herzen, glühen wird ein neuer entzündender Funke: Du bist nichts, Dein Volk ist alles; die Welt ist fern, Deine Heimat ist der Wurzelboden deines Seins. Und wenn alles Armselige, alles Dumpfe früherer Zeit in die dunklen Täler weicht, dann wird ein Wille alle durchströmen; der Wille zur Tat! Urwaldkraft und Glaubensglut wird auch die Ostmark und Deutschland retten" (nach J.Haller, S. 274f.)

Die neue Satzung der Sektion Straubing vom Mai 1936 erklärte zum Zweck der Sektion:

,... Sie stellt sich zur Aufgabe, die Kenntnis des Bayerischen Waldes im Sinne des Heimatgedankens zu verbreiten und den Geist des Nationalsozialistischen Volksstaates unter besonderer Berücksichtigung der Verhältnisse in der Bayerischen Ostmark in die Reihen ihrer Mitglieder zu tragen. Die Sektion lehnt Bestrebungen und Bindungen klassentrennender und konfessioneller Art ab." Ferner war bestimmt: „... Ordentliche Mitglieder können nur Volksgenossen arischer Abstammung sein und werden. Im Zweifelsfalle ist der Nachweis der arischen Abstammung zu erbringen". (nach Schmucker, S. 33)

Die Vereinsrealität sah bald anders aus. Dem Bayerischen Wald-Verein stand nicht nur die Gleichschaltung ins Haus, sondern auch das letztlich zwangsweise Aufgehen im „Bund Deutscher Osten", nach der Annektion der Tschechei in einem „BayerischBöhmischen Waldverein". Die Reaktion der Mitglieder sollte in diesem nicht zu leugnenden dunklen Kapitel der Vereinsgeschichte jedoch nicht übersehen werden. Was in den 20er Jahren bereits begonnen hatte, zeigte sich nun verstärkt, nämlich ein erheblicher Mitgliederschwund trotz aller Durchhalteparolen der Straubinger Vereinsführer. Alleine die Sektion Straubing schrumpfte von 1095 Mitgliedern Ende 1932 auf 850 im Mai 1934. Im Jahre 1938 löste Hans Rohrmayr den seit 1930 mehrmals im Amt bestätigten Sektionsleiter Josef Dorr ab, allerdings in Anwesenheit von nur 31 Mitgliedern. 1941 kam die Sektionsarbeit zum Erliegen und diese Einstellung der Vereinstätigkeit wurde von Rohrmayr gegenüber dem Registergericht am 19. 2. 1943 formal bestätigt.

Neuer Aufschwung in der Nachkriegszeit

Nach dem Zweiten Weltkrieg stand zum Glück ein in der Nazi-Zeit Verstummter wieder zur Verfügung: Justizrat Prager.

Am 27. 11. 1947 versammelte er unter den Bedingungen der Besatzungsbehörden in der Gaststätte Weidemann in Straubing eine Gruppe von Waldfreunden zur Wiedergründung einer örtlichen Bayerwald-Sektion. In der neuen Satzung wurde der ursprüngliche Vereinszweck hervorgehoben: „Der Waldverein Straubing bezweckt die Förderung der kulturellen Interessen des Bayerischen Waldes durch Verbreitung der Kenntnisse von Land und Leuten, durch Pflege der Verkehrs- und Unterkunftsverhältnisse, Hebung des Fremdenverkehrs, durch Vorträge in Wort und Bild und durch gesellige Zusammenkünfte". Als Organe des Vereins fungierten ein auf drei Jahre gewählter Ausschuss, bestehend aus dem 1. Vorsitzenden, dem Schriftführer und Kassier und die Hauptversammlung. Zudem bestand ein Kontrollausschuss aus drei Mitgliedern. Landgerichtsdirektor Dorr stellte sich bei den Neuwahlen als 1. Vorsitzender zur Verfügung. Am 1. Dezember 1948 wurde die Eintragung in das Vereinsregister angemeldet.

Die Neugründung des Hauptvereins ging ebenfalls wesentlich von Alfons Prager aus. Seiner Einladung zu einem Delegiertentreffen folgten am 17. Juli 1948 bereits 22 Sektionen. Auch für den nun wieder entstehenden Hauptverein wurde eine neue Satzung verabschiedet. An die Spitze der von Prager vorgeschlagenen und einstimmig gewählten Vorstandschaft trat der Straubinger Oberbürgermeister, und der hieß Dr. Otto Höchtl! Der wohl verdiente Ehrenvorsitz wurde Justizrat Alfons Prager zugesprochen. Die Geschäftsstelle des B.W.V. wurde in Straubing, im Museumsgebäude Fraunhoferstraße 9 eingerichtet, die Zeitschrift „Der Bayerwald" vom Kulturausschuss des Bayerischen Waldvereins e.V., Sitz Straubing, neu herausgegeben.

Die Straubinger Sektionsarbeit kam bald wieder in Schwung. Am 28. April 1951 wurde Karl Weiler 1. Vorsitzender und blieb es 18 Jahre; von 1960 bis 1968 führte er auch den Hauptverein. In seiner Amtszeit trat das Wandern in den Mittelpunkt des Vereinslebens. Vom intensiven Durchforsten des Bayerischen Waldes bis zu Touren in den Alpen Bayerns, Österreichs, Südtirols und Jugoslawiens und in den Landschaften Deutschlands reichte die Angebotspalette, die von immer mehr Mitgliedern genutzt wurde.

Die Trachtengruppe 1951- 2001

Die Sektion, die wiederum in Erinnerung an einen ihrer beiden Ursprünge den alten Namen „Bayerwald" mitführte, erlebt 1951 eine bis heute fruchtbar gebliebene Bereicherung. Zur „Pflege des Volkstums in Lied und Tanz" gründete Vereinsmitglied Willi Knödl eine Trachtengruppe, die schnell überregionale Beachtung errang. Sie gewann z.B. 1954 einen Pokal der Stadt München und wirkte 1955 maßgeblich beim Deutschen Wandertag in Passau mit. 1956 wies die Trachtengruppe 10 aktive Trachtentanzpaare auf, außerdem verfügte sie über 50 Trachtenträger mit. eigenen Trachten. Unter Leitung von Fred Sax spielte eine „Bauernmuli", Willi Pledl schuf eine Kindergruppe. 1958 erfuhr die Trachtengruppe in der Jahreshauptversammlung eine aufschlussreiche Würdigung: „Mit beinahe fanatischer Hingabe an den übernommenen Auftrag stehe seit Jahren Willi Knödl an der Spitze; seine Gruppe'sei ein Faktor, der sich aus den festlichen Planungen der Stadt und dem Landkreis nicht mehr wegdenken lasse. Mit 80 - 100 Personen im Großeinsatz und nur in echter bodenständiger Tracht repräsentiere die Gruppe die Ehrfurcht der Stadt Straubing vor ihrer großen Vergangenheit. In zahlreichen festlichen Einsätzen am Ort und im weiteren Umkreis und selbst in der Landeshauptstadt habe der Name der Straubinger Gäuboden-Trachtengruppe einen hervorragenden Klang. Die Jugendgruppe sei das Lieblingskind Willi Pledls und die repräsentative Trachtenkapelle das Werk von Fredl Sax" (Paul Schäfer, Vereinschronik Teil 1111991 - 2001).

Die Trachtengruppe der Sektion beim Gäubodenfest

1960 wollte Willi Knödl sich noch stärker auf seine Arbeit im Hauptverein konzentrieren und übergab die Leitung an seinen getreuen Mitstreiter Willi Pledl. 1982 folgte Hans Bielmeier als Leiter. Das Singen und Spielen in der Gruppe, die Maifeiern und Adventabende erreichten Rundfunkreife. Die „Drei Straubinger Sängerinnen", das Männerquartett, dann der „Männer-Dreigesang" gehörten zum festen Repertoire des „Straubinger Advent", von Sektionsabenden, Gedenkmessen, Hochzeiten usw. Noch heute zählt die Gäuboden-Trachtengruppe der Sektion trotz mancher Nachwuchssorgen zu den örtlich und überregional besonders geschätzten Trägern der Brauchtumskultur. Hans Bielmeier, dem Vorsitzenden der Gruppe und Ehrenmitglied der Sektion und allen seinen Trachtlern gilt im Jahre 2001 ein herzlicher Glückwunsch zum 50. Geburtstag der Trachtengruppe!

Die Sektion unter Dr. Mayr, Hans Süß und Alfred Schmucker

Am 14. März 1969 wurde Oberamtsrichter a.D. Dr. Hans Mayr von der Hauptversammlung zum 1. Sektionsvorsitzenden gewählt, eine neue Ära begann. 1951 hatte die Mitgliederzahl 213 betragen, bis 1969 war sie auf über 1000 gestiegen. Der beständige Ausbau des Wandernetzes unter Einbeziehung der Naherholungsgebiete begleitete weiterhin das Wandern als bleibenden Schwerpunkt des Vereinslebens. Doch fiel in Dr. Mayrs Amtszeit ein weiteres Betätigungsfeld von nachhaltiger Wichtigkeit: Im September 1975 kaufte die Sektion Straubing von der Gemeinde Rattenberg/Landkreis Straubing-Bogen das über 100 Jahre alte Schulhaus in Gneißen. 55.000 DM kostete der neue Wanderstützpunkt, der Renovierungsaufwand war allerdings weit höher. Seit einem Vierteljahrhundert bemüht sich nun die Sektion mit erheblichem Mitteleinsatz und stetigem Engagement um die ständige Verbesserung der Unterbringungsbedingungen im Heim in Gneißen. Andererseits bedeutet dies „25 Jahre Sektionseigentum, 25 Jahre reibungslose, wirkungsvolle Zusammenarbeit zwischen Vorstandschaft, Ausschuss, Hüttenausschuss, Hüttenverwaltung, heißt: 25 Jahre Erfolg" (Paul Schäfer, Vereinschronik Teil III. 1991 -2001).

Im Prospekt wird das heutige Angebot des Wanderheims, das von Gästen aus ganz Deutschland besucht wird, beschrieben: „Das Haus steht allen Wanderern, Jugendgruppen, Schulklassen, Vereinen und auch Firmen offen. Es verfügt über zentralbeheizte Zimmer mit fließend Warm- und Kaltwasser, eine Duschanlage, eine komplett eingerichtete Küche für Selbstversorger. Weiter stehen 2 große Aufenthaltsräume, einer davon als Tischtennisraum nutzbar, zur Verfügung. Das Wanderheim verfügt über 41 Schlafgelegenheiten, diese sind aufgeteilt auf 2 Bettenlager mit je 13 Schlafstellen sowie 3 Vierbett, 1 Zweibett und 1 Einbettzimmer. Das Haus bietet weiter eine überdachte Terrasse und eine große Liegewiese mit einem Grillplatz. Ein Münzfernsprecher ist im Haus vorhanden. Vor dem Wanderheim besteht ausreichende Parkgelegenheit. In nächster Nähe befinden sieh 2 Gasthäuser mit gutbürgerlicher und preiswerter Küche".

Fast auf den Tag genau nach sieben Jahren erfolgreicher Tätigkeit an der Sektionsspitze legte Dr. Hans Mayr aus Altersgründen die Geschicke der Sektion und ihrer 1092 Mitglieder in die Hände von Architekt Hans Süß sen., der schon von Berufs wegen im Hinblick auf den Ausbau des Wanderheims wie geschaffen für dieses Amt war. Jetzt ging es aber immer öfter auch' um Fragen des Umwelt- und Naturschutzes, z.B. bezüglich des vereinseigenen Pröllergipfels, der wie erwähnt vor 80 Jahren Ende 1921 von der Sektion Straubing des Bayerischen Waldvereins unter Alfons Prager erworben wurde.

Dieses 16 Tagwerk umfassende Areal wurde zwischenzeitlich bezüglich seiner Grenzen noch einmal genau erfasst und markiert. Ein Landwirt besorgt die notwendigen fortwirtschaftlichen Arbeiten, die Sektion St. Englmar kann über diesen schönsten Aussichtspunkt des Vorderen Bayerischen Waldes verfügen und nimmt sich dafür seiner an. Die Errichtung eines Aussichtsturms auf dem Gipfel durch die Gemeinde St. Englmar fand keine Zustimmung. Die geplante Verlängerung der Pröller-Nordhang-Skianlage bis zum Gipfel wurde vom Straubinger Sektionsvorstand aus Gründen des Naturschutzes ebenfalls abgelehnt. Andererseits dürfen Drachenflieger von einer transportablen Rampe aus vom Pröller starten.

In die Amtszeit von Hans Süß fällt ein Ereignis, das vielen Straubinger Waldfreunden noch in bester Erinnerung ist: Die Feier des 80. Geburtstages des „Verein Bayerwald" und - dies sei hier noch einmal betont- des 90. Geburtstages der Sektion Straubing im Bayerischen Wald-Verein. Dazu beherbergte Straubing endlich wieder einen Bayer-waldtag. Das unvergessliche Wochenende des 2. und 3. Mai 1981 erlebte als Höhepunkt eines breit gefächerten Programms, zu dem auch umfangreiche Beiträge zur Stadt Straubing und zur Sektionsgeschichte in der Vereinszeitschrift gehörten, den Festvortrag von Kulturpreisträger Prof. Dr. Karl Bosl im großen Rathaussaal.

Über die sektionsinterne Gründungsfeier am 13. Oktober 1981 schrieb das Straubinger Tagblatt: „Das Interesse an dieser Veranstaltung war groß. Die etwa 200 Gäste erlebten einen stimmungsvollen Hoagarten, den Hans Bielmeier mit seiner Stubenmusi, dem Frauen-Dreigesang und der Tanzgruppe trefflich arrangierte und moderierte. Alfred Schmucker referierte aus der Vereinschronik, Willi Pledl sprach über die Trachtengruppe - sie feiert in diesem Jahr ihr 30. Gründungsjubiläum - und Hans Hiendl trug Mundartgedichte vor; eine harmonische Familienfeier, die bewies, dass die Welt des Waldvereins in Ordnung ist und dass sieh die vielen Mitglieder bei ihm geborgen fühlen" (nach Paul Schäfer, Vereinschronik Teil II 19981 - 1991).

1982 wurde Hans Süß in seinem Amt bestätigt. Vorstand und Ausschuss führten die Sektionsarbeit kontinuierlich weiter. 1985 verabschiedete die Hauptversammlung eine modernisierte und von Oberstaatsanwalt a.D. Alfred Schmucker sorgfältig der neuesten Rechtslage angepasste Satzung. Alfred Schmucker wurde in dieser Jahreshauptversammlung zum 1. Sektionsvorsitzenden gewählt, Hans Süß sen. zum Ehrenvorsitzenden. Nach der Revision der Satzung stand auf der Basis einer Geschäftsordnung eine Neugestaltung der inneren Organisation an. Auch in der Ära Schmucker blieb das Wandern im Mittelpunkt und die Sorge um die Betreuung der Wanderwege. Unter Leitung von Wegewart Josef Lankes, bis heute ein wahrer Fels in der Sektion Straubing und im Hauptverein, wurde für die Untere Naturschutzbehörde beim Landratsamt Straubing-Bogen eine Wanderwegegrundkarte erstellt und in Verbindung mit den Landkreissektionen eine Neuordnung der Wanderwege vollzogen. Intensiv wurden auch rechtliche und materielle Probleme des Wanderheims Gneißen behandelt und gelöst. Mit Genugtuung über eine solide und allseits anerkannte Sektionsarbeit und Vereinssituation konnte die Sektion vom 11. - 13. Oktober 1991 den 90. Gründungstag des „Verein Bayerwald" feiern, vom Straubinger Tagblatt beglückwünscht als „Eine rüstige Neunzigerin mit Waldeslust".

Nach einer überaus erfolgreichen Zeit als Vorsitzender legte Alfred Schmucker im März 1994 sein Amt in die jüngeren Hände von Hans Hiendl, der seitdem die Sektion leitet.

Die Sektion Straubing heute

Die in den achtziger Jahren rückläufigen Mitgliederzahlen hatten schon unter Alfred Sehmuckers Vereinsführung eine deutliche Steigerung erfahren. Während der 20JahrFeier für das Wanderheim Gneißen vom 21. - 23. Juli 1995 wurde das 1000. Mitglied geehrt, im Festjahr 2001 sieht Hans Hiendl sein persönliches Ziel von 1200 Mitgliedern erreicht. Die Sektion „Bayerwald" Straubing im Bayerischen Waldverein e.V. zählt damit zu den mitgliederstärksten Vereinen der Stadt Straubing.

Den vielfältigen Wünschen, Erwartungen und Ansprüchen einer so breiten Mitgliederschaft entsprechen Struktur und Programm der Sektion. Die jährlich aufgelegten Wanderprogramme von Wanderwart Karl Weindl spiegeln dies eindrucksvoll in einer Fülle von Eintages- und Mehrtagesunternehmungen, von Vorträgen, Lesungen und Sektionsfeiern wider

Seit Januar 1998 erfreut sich das „Seniorenwandern", begonnen von Paul Schäfer und von Heinz Breuer zur festen Institution ausgebaut, mit seiner Mischung aus Spaziergang und kulturellem, vor allem kunstgeschichtlichem Programm in der Stadt und der näheren Umgebung steigender Beliebtheit. Schon fünf Jahre älter ist das Radwandern. Die Idee dazu wurde am 1. August 1993 im Biergarten des Rainer Kellers westlich von Straubing von sieben Vereinsmitgliedern geboren. Bereits eine Woche später wurde diese Idee eines „Radler-Treffs" mit einem ersten Ausflug in die Tat umgesetzt. Ein- und Mehrtagesfahrten standen in immer kürzeren Abständen auf der Tagesordnung der von Walter Schwarz. geleiteten Sektionsgruppe. Am 30. Mai 1998 durfte der Radlertrupp den 50. Radler-Treff feiern, inzwischen kann er auf über 120 Rad-Wanderungen und mehr als 7000 abgestrampelte Kilometer verweisen.

Ebenfalls eine Errungenschaft des letzten Sektionsjahrzehnts ist die Sektionsgruppe der „Krippenfreunde". 1997 gegründet und schon im Winter 1997/98 mit einer großen, mit 11500 Besuchern höchst erfolgreichen Krippenausstellung im Straubinger Schloss hervortretend, gehören sie heute zu den weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannten kulturellen Einrichtungen Straubings. Der in Zusammenarbeit mit der Stadt Straubing und dem Straubinger Krippenexperten Franz Karl von „Krippenfreunde"-Sprecher Guido Scharrer alljährlich angebotene „Straubinger Krippenweg" brachte Straubing den Ruf der führenden Krippenstadt Niederbayerns ein. Neuerdings wird dieses vielversprechende kulturelle Bemühen der Sektion Straubing und ihrer Untergruppen noch durch eine „Arbeitsgemeinschaft Flurdenkmäler" ergänzt, die den jahrzehntelangen Bemühungen von Vereinsmitglied Barbara Saller um die Erfassung und Erhaltung dieser Kleindenkmäler eine institutionelle Stütze bieten will.

„110 Jahre Sektion Straubing im Bayerischen Waldverein e.V. - 100 Jahre „Verein Bayerwald" - 75 Jahre Sektion „Bayerwald" Straubing im Bayerischen Wald-Verein e.V.": Was sich anno dazumal in zwei Waldlervereinen mit unterschiedlichen Schwerpunkten entwickelte, lebt heute im Satzungsauftrag der Sektion fort, vor allem jedoch in einer Vereinstätigkeit, in der sich Sorge um den Bayerischen Wald, sanfte Erschließung der Naturschönheiten für sich selbst und andere, Bemühen um Erhaltung und Verbreitung der Geschichte und Kultur unserer Heimat mit Gemeinschaftssinn bei gleichzeitiger geistiger Offenheit verbindet. Möge es der Sektion „Bayerwald" Straubing im Bayerischen Wald-Verein e.V. vergönnt sein, diesen Weg ungefährdet und mit erfolgreicher Beharrlichkeit im neuen Jahrtausend weiter zu gehen.

Wie „wanderte" und vergnügte sich die Waldvereinssektion Straubing in den frühen Jahren?

Geht man der Beantwortung dieser Frage nach, wird man im Straubinger Tagblatt fündig.

Am 23. 6. 1893 veröffentlichte dieses eine Anzeige der Sektion, die besagte, dass „bei günstiger Witterung und entsprechender Beteiligung der verehrl. Mitgliedschaft am Samstag den 24. Juni c. (Johannistag) eine Dampfbootfahrt auf den Irlbacher Keller" stattfindet. Gestartet wurde in Straubing um 1 1/2 Uhr nachmittags. Der Fahrpreis betrug für Hin- und Rückfahrt für Erwachsene 1 Mark, für Kinder unter 12 Jahren 50 Pfg. Der lrlbacher Keller fand bis lange nach dem Zweiten Weltkrieg regen Zuspruch des guten Bieres und ansprechender Brotzeiten wegen. Die Alten wussten schon damals: Gut Speis'und Trank hält Leib und Seel 'zamm!

Am 18. Juni 1895 berichtete das Straubinger Tagblatt über die Generalversammlung der Waldvereinssektion Straubing. In dieser konnte kein Beschluss gefasst werden, wohin der fällige Vereinsausflug führen sollte. Diese Entscheidung überließ die Versammlung schließlich dem Ausschuss, weil es schwer sei, eine der Mehrheit zusagende Wahl zu treffen. „Der betreffende Ort soll schön gelegen sein und Abwechslung bieten; er soll ohne größere Fußwanderung zu erreichen sein, aber auch ohne zu große Auslagen für die Fahrt." Die Entscheidung war auch für den Ausschuss schwierig. Der Ladenschluss musste berücksichtigt werden, damit auch Geschäftsleute teilnehmen konnten, der Fahrplan der Eisenbahn, die Vereinskasse. So wurde eine Fahrt mit der Eisenbahn ausgeschlossen, da ein Extrazug zu teuer kam, ebenso eine Dampfschifffahrt, die zu tief in die Vereinskasse griff.

Und was kam heraus? Der Vorschlag, eine „Leiterwagenfahrt nach dem reizend gelegenen, viel zu wenig besuchten Saulburg zu machen". Begeistert nahmen die Mitglieder diesen Vorschlag auf, weil „eine solche Fahrt zu den heitersten Veranstaltungen gehört, die es geben kann".

Am 24. Juni. dem Johannistag (!) gings um 2 Uhr nachmittags unter Führung der Musikkapelle Reber (auf eigenem Wagen) vom Gstütt aus auf festlich geschmückten Wägen los. Erster Halt war am Aufrother Keller, dann gings zum Saulburger Keller „zu einem guten Trunk." Fußgänger wanderten in einer 3/4 Stunde vom Aufrother zum Saulburger Keller!

Um das arge Schütteln der Leiterwagen abzumildern, wurden die an den Längsseiten der Leiterwagen befestigten Sitzbänke auf „prächtige lange Schwungfedern" gesetzt, damit eine weiche Fahrt ermöglicht wurde.

Ob so eine Fahrt auch heutzutage noch viel Freude bereiten würde?

33 Jahre später wieder ein Ausflug nach Saulburg. Diesmal sehen wir eine etwa 60-köpfige Gruppe, die mit dem Postbus am 16. Juni 1928 das Ausflugsziel ansteuerte.

Welch ein Unterschied in der Beförderungsart, Welten liegen zwischen 1895 und 1928. Welch ein Unterschied zwischen 1928 und 2001. Keine Bundhosen, keine Anoraks, keine Wanderschuhe, nein, die Damen in festlichen Sonntagskleidern und eleganten Spangenschuhen, die Herren in Anzug und Krawatte. Einfach Ausflügler „zum guten Trunk" in Saulburg.

Halt, halt, zu einem Abstecher auf das „Büscherl" soll es aber doch noch gereicht haben. (Paul Schäfer)




Hat uns net g'falln do drauß'...

Vor fast 120 Jahren, als der Bayerische Wald-Verein gegründet wurde und seine ersten Schritte tat, herrschte im Wald größtenteils bittere Not. Diese zwang vor allem die Jungen, sieh anderweitig um Arbeit und Brot umzusehen. Als nächstliegendes Ziel bot sieh ihnen da der Gäuboden um Straubing mit seinen stolzen Bauernhöfen an. Hier standen sie als Kleinknecht und Unterdirn (Nebenmagd) ein. Behandelt wurden sie dabei von den „Gäubodenprotzen" von oben herab, betrachtet wie „Türken von heute". Dies erhellt sich auch aus einem Vorfall, der beim Schwurgericht. Straubing anhängig wurde. Angeklagt war wegen Körperverletzung die 33-jährige (Kathi Lehner, ledige Dienstmagd aus Perkam (Bezirksamt Straubing).

Hergegangen war die Geschichte so: Am 18. Juli 1883 ging um 4 Uhr früh die Lehner mit ihrer Nebenmagd Rosina Pummer und den Knechten des Bauern Nießbeck aus Perkam zum Kornschneiden. Voraus schnitt der Oberknecht Eisenmann. Er kam an einen Platz, wo das Korn zusammengetreten war. Ohne zu überlegen rief er: „Dös hat g'wiß der Waldler to!" Er meinte damit einen der Kleinknechte. Auf diesen Ausruf hin äußerte die Lehner geringschätzig zur Pummer: „Du bist a so a Waldlerin!" Die Pummer wehrte ab: „Du wärst frohgwen, wenst an Waldler kriagt hätt'st." „Halt's Mäu, sonst hau i Dir d'Sichel eini", bellte die Lehner. Hierauf die Pummer: „Hau her, wennst di traust!" Da schwang die Lehner die Sichel, hieb sie der Pummer in den Rücken, zog sie aber sofort wieder heraus, um weiter Korn zu schneiden. Ein Aufschrei der Getroffenen: „Jessas hat dö mir d'Sichel einig'haut. 1 geh glei zum Doktor". Sie machte noch ein paar Sehritte, sank zusammen. Aufgeregt unterbrachen die Schnitter ihre Arbeit, legten die Pummer auf einen Wagen, um sie zur Behandlung zu bringen. Doch noch auf dem Weg nach Perkam verschied sie - fern dem Wald - ein Opfer der Voreingenommenheit.

Das Schwurgericht erkannte auf 3 Jahre 6 Monate Gefängnis für die Täterin.

Dieser tragische Vorfall führt m.E. vor Augen, wie notwendig es war, den Wald und seine Bewohner den außerhalb seiner Grenzen Lebenden nahezubringen, Vorurteile gegen die Waldler, deren Unterprivilegiertentum abzubauen. Eine Aufgabe, zu deren Lösung der Bayerische Waldverein in Zusammenarbeit mit Gleichgesinnten in den vergangenen 120 Jahren einen wichtigen Beitrag leistete.

(Paul Schäfer nach einem Bericht des Straubinger Tagblatt vom 28.9.1884)




STRAUBING Streiflichter aus Geschichte, Kunst und Kultur

von Werner Schäfer



Eine altbayerisch-europäische Stadt an der Donau

Im Gäubodenmuseum Straubing liegt geschützt vor Staub und zerstörender Lufteinwirkung ein Skelett, ein Mensch aus grauer Vorzeit, die wir als Jungsteinzeit bezeichnen. Knochen und Beigaben blieben im konservierenden Lösslehm des Gäubodens erhalten und kamen am Stadtrand von Straubing bei Aiterhofen-Ödmühle ans Licht. Das Grab gehörte zu einem Friedhof, von dem in den Jahren 1975 bis 1980 68 Brand- und 160 Körpergräber freigelegt wurden. Zumeist handelte es sich um Hockergräber mit zum Teil reichen Grabbeigaben, die Rückschlüsse auf Geschlecht und Stand der Bestatteten zulassen. Gefäße mit Speise und Trank, Steingeräte und Haarzierden aus heimischen Donaumuscheln waren den Verstorbenen mitgegeben worden. Vor allem aber enthielten die reichsten Gräber Schmuck und Trachtbestandteile aus reifenförmigen Spondylusmuscheln, bezogen aus dem östlichen Mittelmeerraum oder dem Schwarzmeergebiet. Sie sind Zeugnisse weiter 1-landelsbeziehungen der ersten archäologisch nachweisbaren Kultur der Jungsteinzeit, beginnend um 5000 v.Chr., in Mitteleuropa, nach den Zierformen der Gefäße als Linearbandkeramik bezeichnet. Vom Paris Becken bis in den Westen Russlands, von der norddeutschen Tiefebene bis zur ungarischen Donau reichte diese Kultur, die älteste bäuerliche Kultur in unserem Gebiet. Schon Tausende von Jahren vor unserer Zeit wurden die Lebensformen unserer Heimat am Donaustrom eingebettet in -modern formuliert -- internationale Kulturverbindungen.

Straubing: Stadtplatz mit Stadtturm und Jesuitenkirche; gotische Giebel der Bürgerhäuser

Bis zum Ende des Neolithikums um 1800 bis 2000 v.Chr. differenzierte sich dieser große Kulturverband in verschiedene kleinere und regionale Gruppen, wie die Stichbandkeramiker, die Oberlauterbacher-und  Münchshöfener Gruppe und die Altheimer Kultur. Allen vier Gruppen war die Donau als Nordgrenze gemeinsam. Dann aber ergaben sich Zusammenhänge mit der Chamer Kultur mit ihren befestigten Siedlungen. Funde lassen auch auf Beziehungen nach Mitteldeutschland und Böhmen schließen. Aus dem Norden kamen Schnurkeramiker in unsere Gegend, aus dem Westen die Glockenbecherleute.

In der frühen Bronzezeit entwickelte sich in Südostbayern bis zur Donau die sogenannte „Straubinger Kultur" als größere Regionalgruppe mit Friedhöfen, Hortfunden mit Bronzeringen und feintoniger Keramikware. Der Handel überschritt wieder die Grenzen des engeren Lebensraumes und so wurde in der Mittleren Bronzezeit die Siedlung auf dem Bogenberg, an dem ein alter Handelsweg nach Böhmen vorbeiführte, erstmals mit Wall und Graben befestigt.

In den Waldgebieten unserer Heimat erhielten sich mancherorts die Grabhügel aus dieser blühenden Kulturepoche, der in der späten Bronzezeit ca. 1200 v.Chr. ein deutlicher Bevölkerungsrückgang folgte.

Die nächsten 500 Jahre wurden von der Urnenfelderkultur bestimmt, die sich nördlich und südlich der deutsch-österreichisch-ungarischen Donau ausbreitete, an unserem Stromabschnitt und dem Vorwald wieder

Der Bogenberg mit seiner Wallfahrtskirche ist das weithin sichtbare Wahrzeichen des Gäubodens, hier fand man auch frühe Siedlungsspuren des Straubinger Raumesmit Bogen als Hauptort: „Man darf die befestigte Höhensiedlung des Bogenberges wohl als den damaligen politischen und wirtschaftlichen Mittelpunkt des Gäubodens bezeichnen, als Großsiedlung, deren Wohlstand nicht zuletzt der beherrschenden Lage über dem agrarisch genutzten Umland und an einem Passweg ins Böhmische entsprang" (Prammer, Abteilung Vorgeschichte, S. 74). Mit der Hallstattzeit bis ca 500 v.Chr. gelangte als neuer Werkstoff das Eisen zu uns. Die Hallstattkultur ging in der Großraumkultur der Kelten auf, die Menschen der sogenannten Latenezeit gehörten damit zu einer Völkerfamilie, die von Irland bis zum Schwarzen Meer reichte und bis Italien, Griechenland und Kleinasien vorstieß. Hauptort im heutigen Bayern war das Oppidum, die stark befestigte Stadtanlage von Manching bei Ingolstadt, Straubing besaß in der späten Latenezeit des 1. vorchristlichen Jahrhunderts eine zwar stattliche doch wahrscheinlich unbewehrte Siedlung im Bereich des heutigen Ostenfeldes östlich von St. Peter und des modernen Elisabeth-Krankenhauses.

Nun kamen die ersten Münzen, die „Regenbogenschüsselchen" in Gebrauch, der Übergang von einer rein bäuerlichen zu einer städtischen Kulturstufe zeichnete sich ab. Allerdings erlebte die keltische Kultur im süddeutschen Donauraum einen Niedergang, der wohl fast zur Entvölkerung geführt haben dürfte.


Römerkastelle am nassen Donaulimes

Im Jahre 15 v.Chr. erteilte Kaiser Augustus den Befehl zur Eroberung des heutigen bayerisch-schwäbischen Voralpengebiets. Bis zur endgültigen Stationierung römischer Truppen an unserem Donauabschnitt in der neuen römischen Provinz Rätien mit Augsburg als Hauptstadt dauerte es jedoch noch etwa 40 Jahre, dann erst wurde der Fluss zur Grenze des Imperiums durch Anlage von Kastellen und Zivilsiedlungen. Damit begann auch die Geschichte des römischen Lagerortes Sorviodurum/Straubing am osträtischen Donaulimes. Obwohl nicht wie Regensburg zur Bedeutung einer „Stadt" erhoben, kann sich Straubing angesichts seiner römischen Geschichte und der Zeugnisse aus dieser Epoche mit Recht als „Römerstadt" bezeichnen.

Bisher wurden vier Militärlager im Straubinger Stadtgebiet entdeckt, dazu kam jüngst der endgültige Nachweis einer typischen spätantiken Befestigungsanlage auf dem Hügel von St. Peter. Zeitweise bestanden zwei Kastelle nebeneinander. Der wichtigste Kastellbereich war das schon keltisch besiedelte Ostenfeld, dessen Reste noch heute im Boden schlummern und vielleicht doch einmal eines Tages im Rahmen der Anlage eines archäologischen Parkes ans Licht gebracht und zugänglich gemacht werden. In seiner Blütezeit im 2. und beginnenden 3. Jahrhundert n.Chr. waren hier 1000 Soldaten stationiert. Sorviodurum besaß einen Donauhafen, einen weiten vicusBereich, das heißt eine Zivilsiedlung, Gräberfelder an den Zugangsstraßen und Villae rusticae, d.h. Bauerngüter im Hinterland. Die Romanisierung brachte die überlegene römische Zivilisation, deren Errungenschaften allerdings auch Begehrlichkeiten bei germanischen Stämmen wie den Markomannen und Alemannen weckten, die nach der 1. Hälfte des 2. Jahrhunderts und in der I. Hälfte des 3. Jahrhunderts auch unsere Grenze stürmten und die Donauorte zerstörten. Trotz Krisen und Bevölkerungsrückgang in der Spätantike dürfte sich jedoch römisches Leben um das burgusartige Kastell auf der Erhöhung von St. Peter noch bis in das 5. Jahrhundert hinein erhalten haben.

Die Soldaten in Sorviodurum stammten römischer Militärpolitik der frühen Kaiserzeit entsprechend ursprünglich nicht aus dem Donau- oder Voralpenland, sondern aus fernen Provinzen des Reiches. Während Regensburg im Jahre 179 zum Legionslager wurde und damit 6000 italienische Elitesoldaten beherbergte, waren in Straubing Hilfstruppen stationiert. Die bekannteste Einheit war die auf Kleinasien verweisende 1. Canathenerkohorte, eine Spezialtruppe mit Bogenschützen. In der Spätantike wurden die Verbände mit germanischen Söldnern aufgefüllt.

Das eindrucksvollste und weltbekannte Zeugnis für die römische Geschichte Straubings und die mit ihr verbundenen Beziehungen zur Zivilisation eines Weltreiches ist der sogenannte „Römische Schatzfund" von Straubing , eine Dauerleihgabe des Landkreises Straubing-Bogen im Gäubodenmuseum mit seiner bislang in dieser Fülle einmaligen Sammlung von Gesichtshelmmasken und Ross-Stirnen für militärische Reiterspiele und turnierartige Wettkämpfe. Die in und um einen großen Bronzekessel gelagerten Stücke des Fundes, von den Paraderüstungsteilen über Bronzestatuetten bis zu eisernem Handwerks- und Gebrauchszeug, wurden während der Alemanneneinfälle in der ersten Hälfte des 3. Jahrhunderts n.Chr. bei einer Villa rustica in Alburg von germanischen Plünderern vergraben und erst 1950 bei Bauarbeiten geborgen. Begann mit dem Zusammenbruch der Provinzverwaltung in Rätien im 5. Jahrhundert eine Zeit des absoluten geschichtlichen Dunkels, tat sich eine Lücke auf, riss der Faden der historischen Kontinuität, bis dann mit einer Einwanderung der Bajuwaren eine neue Epoche begann? Die Antwortet darf heute lauten: nein.

Baiernzeit und hohes Mittelalter in Strupinga

Gerade die Grabungen in Straubing brachten viel Licht in die Entstehungsgeschichte des Baiern-Stammes. Wir wissen heute, dass er nicht von außen in einer Okkupationsbewegung einbrach, sondern sich zwischen Donau und Alpen, Lech und Enns aus den verbliebenen Romanen, elbgermanischen Söldnern aus dem Böhmischen, aus von Westen und Osten zugezogenen Alemannen, Goten, Gepiden und Langobarden innerhalb weniger Jahrzehnte zu einem Volk formierte. Die Friedhöfe und Funde vom 5. bis 7. Jahrhundert im östlichen Stadtgebiet Straubings und in Straubing-Alburg legen davon ein beredtes Zeugnis ab und wenn sogar früher ostgotischer Grabschmuck zutage trat, dann ist dies keine Überraschung sondern ein Hinweis auf das Bemühen Theoderichs des Großen, in der Nachfolge des weströmischen Kaisertums die entfernten Provinzen im Norden nicht ganz aus dem Auge zu verlieren.

Zwei der bajuwarischen Siedlungskerne wurden in der Folgezeit besonders bedeutend: der Pfalzort Alburg und „Strupinga", der typische ing-Ort im Bereich des ehemaligen römischen Straubing. Zuerst agilolfingisch-bairisch, dann karolingisch und wieder luitpoldinisch-bairisch kam das „predium", das Königsgut Straubing in ottonischsächsische und mit Kaiser Heinrich 11. in ottonisch-bairische Hand. Aus dem Jahre 897 stammt die erste urkundliche Erwähnung von „Strubinga".

Es gab aber bereits im 7. Jahrhundert einen adeligen Friedhofsbezirk auf dem Geländesporn von St. Peter im Bereich des ehemaligen spätantiken Kastells, zu dem evtl. eine erste Holzkirche gehörte. Im 9. Jahrhundert stand eine karolingische Saalkirche aus Stein auf dem Platz der heutigen Basilika St. Peter, die im Zeitraum der Jahrtausendwende erweitert und mit einem Westturm ausgestattet wurde. Anlass dafür könnte die Schenkung des Gutes Straubing durch König Heinrich 11. im Jahr seines Regierungsantritts 995 an seinen Bruder Bruno gewesen sein, den späteren Bischof von Augsburg, oder die Weiterschenkung durch Bruno an das Augsburger Domkapitel im Jahre 1029.

Damit war eine enge Verbindung des Straubinger Landes zu den Augsburger Domherren geknüpft. Sie hatte manchen Konflikt zu überstehen, denn die Augsburger und Regensburger Bischöfe, das Kloster St. Emmeram in Regensburg oder die Grafen von Bogen als Vögte im Gebiet der Domherren, das nicht nur Alt-Straubing umfasste, sondern Güter bis Stallwang im Vorwald aufwies, machten es den rechtmäßigen Besitzern nicht immer leicht. Trotzdem entwickelte sich der Hauptort Strubinga um St. Peter zu einer vorstädtischen (präurbanen) Siedlung, die den rein dörflichen Charakter deutlich hinter sich ließ.

Um so überraschender ist die Tatsache, dass der zweite wittelsbachische Herzog, Ludwig 1. „der Kelheimer", im Jahre 1218 „die Stadt in Straubing zu bauen" begann und zwar auf dem Grund und Boden des Augsburger Domkapitels. „Von Umwandlung oder Übertragung der alten Stadt" ist in denQuellen die Rede, wohl im Sinne einer Rechts- und Schwerpunktverlagerung von Alt-Straubing an der Allachbachmündung in die Donau zur westlichen Anhöhe über dem Strom, wo seit römischen Zeiten eine Straße verlief, der große Jahrmarkt abgehalten wurde und sich das Gelände für die Anlage einer befestigten Burgstadt besonders gut anbot. Die Vorteile einer solchen Gründung einer „Neustadt", dem heutigen historischen Stadtzentrum, überwogen offenbar gegenüber den Nachteilen einer Gewaltenteilung zwischen dem Landesherr und des Augsburger Domkapitel. Das neue Straubing fügte sich in die Kette wittelsbachischer Städtegründungen von der Isar bis nach Cham im Bayerischen Wald an einem wichtigen Punkt ein, nämlich nicht nur als Gegenposition zu regionalen und lokalen Gewalten wie den Grafen von Bogen, den Regensburger Bischöfen oder den aufstrebenden Reichsstädtern von Regensburg, es schützte auch die wichtige Straße von Landshut nach Cham und kontrollierte den militärisch wie wirtschaftlich so bedeutenden Strom.

Um diese Zeit wurde die Peterskirche zur dreischiffigen Basilika ausgebaut, sei es auf einem Höhepunkt der Macht des Domkapitels vor der Stadtgründung von 1218, sei es, dass die Domherren auch nach den neuen Machtverhältnissen und dem Arrangement mit dem Herzog mit dem Ausbau ein sichtbares Zeichen ihrer Präsenz geben wollten! Immerhin blieb St. Peter jahrhundertlang die Pfarrkirche Straubings.

St. Peter ist ein typisches altbayerisches Gotteshaus der Romanik, als einfache, querhauslose, schlichte Pfeilerbasilika beeinflusst von den religiösen Reformgedanken des ausgehenden 12. Jahrhunderts. Der große romanische Holzkruzifixus ist ganz staufischem Zeitgeist entwachsen. Die wertvolle Architekturplastik des Hauptportals ist oberitalienisch-lombardischen Steinmetzen zu verdanken. Das Tympanonfeld stellt den Kampf eines Ritters gegen einen Drachen dar, der gerade einen Menschen verschlingt. Die ikonografische Bestimmung ist nicht einfach und eindeutig. Es könnte sich um St. Michael handeln, um das Ringen Christi mit dem Satan um die Seele des Menschen oder um eine Illustration zu Psalm 34, das flehende Gebet zu Gott um Rettung vor den Feinden. Manches spricht auch für die Darstellung der Errettung des Ritters Sintram aus dem Rachen eines Drachen durch Dietrich von Bern. Der reiche plastische Blattwerkschmuck des Portals und die handwerklichen Merkmale deuten auf den Formkreis Mailand-Pavia. Die Ausfüllung und Aushöhlung des Feldes und der Kerbschnittornamente an den Portalbögen weisen noch in eine andere Richtung und zwar nach Regensburg, zum Portal der Schottenkirche. Jedenfalls besitzt Straubing mit der Peterskirche ein Gotteshaus, in dem sich ganz im Sinne des alten Reiches deutsches und donauländisch-bayerisches Architekturwollen mit italienischem Kunstempfinden vereinigt.

Herzogstadt mit spätgotischem Gepräge

Die wittelsbachische Stadt entwickelte sich rasch zu einem herzoglichen Zentrum an der Donau zwischen der Freien Reichs- und Bischofsstadt Regensburg und dem fürstbischöflichen Passau und wurde den in die Gründung gesetzten Hoffnungen als Wirtschafts- und Verwaltungsmittelpunkt gerecht. Die erste landesherrliche Burg lag wahrscheinlich an der Nordwestecke der Stadtanlage, wo heute noch der Weytteroder Polizeiturm der alten Stadtmauer die Stelle dieses Herzogshofes markieren könnte, in dem seit 1255 Viztume als herzogliche Stellvertreter und Verwalter des unteren Viztumsamtes an der niederbayerischen Donau residierten. Um 1288 wird die Stadtkirche St. Jakob, die Vorgängerin der heutigen Stadtpfarrkirche, erstmals urkundlich erwähnt. Um 1316 begann die Bürgerschaft mit dem Bau ihres Rathausturmes, des Stadtturms und Wahrzeichens Straubings bis heute. Gerade die Position des Stadtturms könnte ein Hinweis auf die Entwicklung des Straßenrasters sein. Demnach dürfte sich zu Beginn des 14. Jahrhunderts der langgezogene Straßenmarkt bereits als Hauptachse der Stadt herausgebildet haben. Im Jahre 1313 kämpfte ein Straubinger Aufgebot im Heer Ludwigs des Bayern erfolgreich bei Gammelsdorf gegen Friedrich den Schönen von Österreich. 1332 stand der nunmehrige deutsche König und römische Kaiser Ludwig von Oberbayern im Streit um Niederbayern als Feind vor Straubings Mauern und erzwang die Übergabe der Stadt. 1341 fiel ihm Niederbayern schließlich zu und Straubings Bering wurde durch einen Steuererlass auf Befehl Ludwigs verstärkt. Auf diesen ersten Kaiser aus dem Hause Wittelsbach geht auch die Entstehung eines selbständigen Herzogtums Niederbayern-Holland mit Straubing als bayerischer Residenz zurück. 1345 hatte Ludwig IV nämlich durch seine Ehe mit Margarethe von Holland die Grafschaften Holland, Seeland, Hennegau und die Herrschaft Friesland erworben, die 1353 von den Nachfolgern Ludwigs in Haus und Land Bayern durch Erbteilung zu diesem besonderen politischen Gebilde vereinigt wurden.

An der Spitze der Straubinger Linie stand als erster Herzog Albrecht I., der sich zwar nach der Erkrankung seines Bruders und Mitregenten in Holland meist in Den Haag aufhalten musste, aber den gesteigerten Rang seiner niederbayerischen Residenz durch den Bau eines neuen Burgschlosses an der Donau sichtbar zum Ausdruck brachte. Straubing war durchaus nicht nur ein Nebenort des Herzogtums, wie der niederländische Historiker Dick E.H. de Boer betont: „Als Mittelpunkt in der Ferne, das heißt als, Zentrum nicht nur der eigenen, bayrische Verwaltung, sondern als Knotenpunkt de Macht auf der höheren Ebene der territorialen und dynastischen Verbindungen spielte Straubing innerhalb Europas im ausgehenden vierzehnten Jahrhundert eine wichtige Rolle" (de Boer, S. 119). Obwohl das Straubinger Herzogshaus bereits 1425 in der männlichen Linie ausstarb, prägten doch diese sieben Jahrzehnte die Stadtgestalt wie keine andere Epoche.

Straubinger Kriegsknechte dürften an den vereinzelten kriegerischen Unternehmungen der Herzöge z.B. in Friesland, Pommern, Brandenburg, Süddeutschland und Tirol beteiligt gewesen sein, die Donauresidenz selbst blieb von der Kriegsfurie verschont und erlebte insgesamt eine Zeit des wirtschaftlichen und kulturellen Aufschwungs, gefördert von den euopäischen Allianzen des Fürstenhauses. Durch Eheschließungen der Herzöge oder ihrer Nachkommen ergaben sich Verbindungen zu Cle- ve-Mark, Schlesien, Böhmen, Österreich, Luxemburg, Burgund, Frankreich und England. Der weiche Stil der internationalen Gotik fand Widerhall in Straubing, das Kreuzigungsfresko und die Glasgemälde in der Prächsenkapelle von St. Jakob zeugen davon, auch die Architektur der Kirche selbst, wie wir noch sehen werden. Mit dem Hochgrab für den jungen Herzog Albrecht II. erhielt die gerade emporwachsende Karmelitenkirche ein Hauptwerk des weichen Stils, der Epitaph für Bürgermeister Ulrich Kastenmayr in St. Jakob, unbestritten eine Marmorskulptur von europäischem Rang, verweist dagegen auf die Kunst um Jan van Eyck, der in jungen Jahren in straubingholländischen Kammerdiensten stand.

1429 gelangten die Stadt und Teile des verwaisten niederbayerischen Herzogsgebietes die Regenten von Oberbayern-München. Die Herrschaft über Straubing fiel Herzog Ernst 1. zu, der hier am 12. Oktober 1435 die heimlich angetraute Gemahlin seines Sohnes Albrecht, die Augsburger Baderstochter Agnes Bernauer ertränken ließ.

Die Geschichte von der Bernauerin ist zwar keine originär straubingerische sondern eigentlich ein historisches Exempel ohne notwendige räumliche Bindung, wesentliche Episoden aber spielten sich im Donauschloss ab, bei den Karmeliten wollte Agnes begraben werden und auf dem Petersfriedhof erhielt sie eine Gedenkkapelle mit späterem Epitaph. Wenn Straubing sich als „Agnes-Bernauer-Stadt" bezeichnet, so tut es dies nicht zu Unrecht.

Spätgotische Architektur und Kultur beherrschten das 15. Jahrhundert und reichten weit in das 16. Jahrhundert hinein. Die Renaissance fand einen eher sporadischen Widerhall, auch Manierismus und Frühbarock ließen relativ lange auf sich warten, wenngleich in den ersten Jahrzehnten des 17. Jahrhunderts in der Bildhauerwerkstätte der Martin und Thomas Leutner Epitaphien und Grabdenkmäler entstanden, die über das gewöhnliche Steinmetzhandwerk hinausragen.

Um Glauben und Macht

Das 16. Jahrhundert brachte zwar keinen generellen städtebaulichen und künstlerischen Wandel, andererseits war es von einigen Jahrzehnten der Auseinandersetzung um die rechte christliche Konfession gekennzeichnet. Schon 1523 galt Straubing als ein Hauptort des Luthertums in Niederbayern. Mit Entgegenkommen und Gewalt versuchten die Landesherren die Rekatholisierung. So erwarben die Herzöge Wilhelm und Ludwig im Jahre 1535 die noch beim Augsburger Domkapitel verbliebenen Rechte und verkauften sie 1536 an die Stadt. 1537 berief Wilhelm IV. einen Landtag nach Straubing, der den protestantisch gesinnten Stadtrat ernstlich rügte, ohne sichtlichen Erfolg. Im Frühjahr 1558 sandte Herzog Albrecht V. den ersten deutschen Jesuiten, Petrus Canisius, in die Haupt- und Regierungsstadt an der Donau, um durch Predigten Rat und Bevölkerung zur Rückkehr in den Schoß der römischen Kirche zu bewegen. Seit dem Augsburger Religionsfrieden 1555 war die Konfession der Landeskinder ohnehin eine Angelegenheit des Landesherren. Im Herbst 1561 schien sich die Arbeit einer herzoglichen Sonderkommission bezahlt zu machen. Viele einfache Bürger wichen dem Druck von oben, neun unbeugsa me Ratsherren dagegen bezahlten ein knappes Jahr später ihre Standhaftigkeit mit der Ausweisung aus der Vaterstadt und dem Verkauf ihres Besitzes innerhalb kurzer Frist.

Unter diesen Verfemten war übrigens einer der bekanntesten Söhne Straubings, der Patrizier Ulrich Schmidl. Von 1535 bis 1554 hatte er an einer spanischen Entdeckungsfahrt in den La-Plata-Ländern teilgenommen, war nach der Rückkehr Protestant geworden, ließ sich in der religionsfreien Reichsstadt Regensburg als Apotheker nieder und schrieb einen der berühmtesten Expeditionsberichte des 16. Jahrhunderts über die Erlebnisse in der Neuen Welt. Zwar kein eigentlicher Konquistador oder erobernder

Landsknechtführer sondern nur ein kleiner Soldat verkörpert er doch den Typus des mit Kolumbus erstmals auftretenden neuzeitlichen Entdeckers. Sein langer Aufenthalt in Südamerika und sein Bericht vereinigen nämlich dessen drei Grundeigenschaften in sich: entdecken, erobern, erkunden und festhalten. Schmidls Wechsel zum Luthertum und der Anspruch auf Mündigkeit, der beispielhaft in seinem unbeirrten Bekenntnis Niederschlag fand, machten ihn zu einem Typus des neuzeitlichen Menschen überhaupt.

1571 beugte sich Straubing ein für allemal der „ausschließlichen Katholizität" des Herzogtums Bayern, das Chorherrenstift Pfaffmünster wurde zur Stärkung der Gegenreformation an die Jakobskirche verlegt, die damit den Hl. Tiburtius als zweiten Hauptpatron erhielt und seitdem die „Stiftskirche" ist. Mit dieser Übertragung begann auch ein neues Kapitel in der Straubinger Ordensgeschichte in den folgenden zwei Jahrhunderten ließen sich Kapuziner, Jesuiten, Ursulinen, Franziskaner und Elisabethinen innerhalb und außerhalb des Mauerrings nieder.

lm größten Krieg um Macht und Glauben, den die europäische Geschichte erlebte, dem sogenannten Dreißigjährigen Krieg, stand Straubing als eine der stärksten befestigten Städte Altbayerns nicht abseits. Im Jahre 1628 feierte sie mit der Obeliskenfassade am Spitaltor der nördlichen Stadtmauer den Erwerb der erblichen Kurwürde für das Haus Wittelsbach und die Einverleibung der Oberpfalz in das neue Kurfürstentum Bayern durch Maximilian I. Im November 1633 jedoch musste sie nach mehrtägiger Beschießung vor den schwedischen Truppen des Herzogs Bernhard von Weimar kapitulieren. 1634 wurde sie zwar durch kaiserliche Heerhaufen befreit, aber die schlimmste Begleiterin des großen Krieges ließ sich nicht abhalten, die Pest. Sie forderte von den 4000 bis 4500 Einwohnern der Stadt schätzungsweise 1800 Tote.

Glanz der Kunst und Elend des Krieges

Es dauerte einige Jahrzehnte, bis sich die Bürgerschaft von den Schäden des Dreißigjährigen Krieges wirklich erholt hatte. Dann jedoch setzte gegen Ende des 17. Jahrhunderts eine Bautätigkeit ein, die an Intensität an die Zeit um 1400 erinnert: 1683 begannen die Jesuiten mit dem Umbau ihres spätgotischen Gotteshauses zu einer Saalkirche im nachtridentinischen frühbarocken Stil. 1696 wurden im Zuge der Barockisierung die Stichkappengewölbe in der Basilika von St. Peter eingezogen. Ab dem Jahre 1700 widmete sich der Amberger Baumeister Wolfgang Dientzenhofer der barocken Umgestaltung der Karmelitenkirche, zusammen mit den italienischen Stukkateuren Giovanni Carlone und Paolo d'Aglio von der Passauer Dombauhütte und dem aus Innsbruck stammenden Münchner Freskanten Melchior Steidl. 1702/03 erhielt die Veitskirche ein barockes Innenkleid, nicht zuletzt durch den Bildhauer und Stukkateur Johann Georg Fux aus Südtirol. 1705 bis 1707 entstand der Zentralbau der Wallfahrtskapelle Frauenbrünnl am westlichen Stadtrand mit seinen Fresken von Hans Georg Asam nach Vorbildern in Sant'Agnese in Agone in Rom. 1706 begann der Ordensarchitekt Plank mit Kloster und Schutzengel-Kirche der Franziskaner. Die Stadt bekam damit nach der neu gestalteten Jesuitenkirche eine weitere Wandpfeileranlage, die dem seit der Michaelskirche in München auch in Bayern verbreiteten Zeitstil und den neuen liturgischen Bedürfnissen entsprach. Im Jahre 1714 wurde schließlich die barockisierte Michaelskirche in der Altstadt wieder geweiht. Neben dieser beachtlichen Welle der Erneuerung und des Neubaus im sakralen Bereich sollten die vielen Fassaden an stattlichen Hausstöcken der Innenstadt nicht vergessen werden, in denen sich nicht zuletzt die klassizistische Komponente des imperialen Barockstils Österreichs widerspiegelt.

Diese „österreichische" Komponente dürfte nicht von ungefähr gekommen sein, denn man pflegte in den Jahren zwischen 1704 und 1714 engste Beziehungen zum Nachbarstaat, genauer gesagt: Straubing stand unter kaiserlich-habsburgischer Besatzung. Im Oktober 1704 hatte sich die Stadt im Spanischen Erbfolgekrieg tapfer gegen die österreichischen Belagerer verteidigt und erst auf Befehl der Kurfürstin ihre Tore geöffnet. Die Kriegsschäden sollen sich auf rund 525000 Gulden belaufen haben. Die vor allem von den Klöstern getragene neue Bautätigkeit wurde davon offenbar nicht beeinträchtigt.

Dem Spanischen Erbfolgekrieg aber verdanken wir ein Denkmal ersten Ranges in Straubing, das wie kaum ein anderes als Kriegs-und Friedensmonument, als Altar unter offenem Himmel, als städtebauliches Glanzlicht und als Kunstwerk etwas von der Einbettung Straubings in die altbayerische und europäische Geschichte und Kultur erkennen lässt. Es ist die Dreifaltigkeitssäule, feierlich geweiht am 17. Oktober 1709 aufgrund eines Gelöbnisses der Bürgerschaft am 3. August 1704, dass man der Trinität eine Ehrensäule aufstellen werde zur Abwendung aller Kriegsgefahr. Der Feind ließ sich zwar nicht abhalten, das Gelübde wurde dennoch erfüllt.

Die Säule erhebt sich inmitten des westlichen Stadtplatzes, als Votivaltar dem Stadtturm in der Platzmitte zugewandt, in der Sockelzone bewacht vom schwertschwingenden St. Michael des Straubinger Bildhauers Franz Mozart, mit einer Gruppe der Heiligen Dreifaltigkeit in der Glorie des Bogener Meisters Johann Georg Frisch auf schlanker Säule aus Salzburger Marmor mit korinthischem Kapitell, mit einer Verkündigungsmaria und dem Engel Gabriel in den beiden offenen Seitenflügeln der Sockelarchitektur aus der Werkstatt des Salzburger Hofmeisters Michael Bernhard Mandl, die zu den besten Skulpturen des Barock in Straubing zu zählen sind. Die Tradition solcher Denkmäler führt zurück bis zu den römischen Ehrensäulen, sie wurde in München von Kurfürst Maximilian 1. mit der Errichtung der Mariensäule 1638 als Erinnerungsmal an Krieg, Not und Pest aufgegriffen. In Wien ehrte man 1693 die Dreifaltigkeit mit der Pestsäule am Graben. Das Straubinger Monument gehört zu den frühen seiner Art im Bereich des bayerisch österreichisch-donauländischen Barock. Es überragt an Höhe die Münchner Vorgängerin, bleibt „klassischer" im Vergleich mit dem expressiven Wolkenwirbel des Wiener Denkmals. In ihrer städtebaulichen Wirkung dürfte die Dreifaltigkeitssäule nicht leicht ihresgleichen finden.

In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde Straubing noch ein Gotteshaus von besonderem Wert geschenkt, nämlich die Klosterkirche der Ursulinen, das letzte gemeinsame Werk der Gebrüder Asam, deren Spuren sich durch alle Phasen ihrer Schaffenszeit in Straubing verfolgen lassen. Mit der Ursulinenkirche hinterließen sie ein Gesamtkunstwerk am Übergang vom Barock zum Rokoko, mit dem die Reihe kunstgeschichtlich bedeutender Kirchenbauten im Stadtgebiet Straubings ihren Abschluss fand, wenn man von dem durchaus ansprechenden und sehenswerten Rokoko-Spätling St. Anna der Elisabethinen in ihrem Krankenhauskloster absieht.

Auch nach der Fertigstellung von St. Ursula um 1740 ging freilich das Kunstschaffen in Straubing weiter. Die den Ursulinen benachbarten Karmeliten nahmen sich nach den großen Umwandlungsmaßnahmen zu Beginn des Jahrhunderts nun noch einmal der Innenausstattung an. 1741 wuchs vor dem Mönchschor der 25 Meter hohe Hochaltar des Passauers Joseph Matthias Götz bis zum Chorgewölbe empor. Das gewaltige Hochaltargemälde mit dem Pfingstwunder stammt von keinem Geringeren als dem Südtiroler Maler Michelangelo Unterberger, einem Schüler des berühmten Venezianers Piazzetta, später zusammen mit Paul Troger Leiter der Akademie der Bildenden Künste in Wien. Götz schuf wohl auch die Seitenaltäre am Chor, vor dem nördlichen birgt ein kostbarer Tabernakelaufbau des Augsburger Goldschmieds Mäderl eine hölzerne gotische Vespergruppe, die „Maria von den Nesseln", das gerade in Kriegszeiten immer wieder angerufene, bedeutendste Gnadenbild im Stadtzentrum.

Zwei Seitenaltäre und die Kanzel 1756/57mit vorzüglichem stilreinem caille-Dekor steuerten der Straubinger Bildhauer Anton Keller und der tüchtige Schreiner Abele zu dieser Renovierungsphase bei.

Was aber geschah mit der Stadtpfarr- und Stiftskirche St. Jakob und Tiburtius, dem letztlich reichsten und größten Gotteshaus der Stadt? Ihr wollen wir einen besonderen Blick widmen.

St. Jakob: Spätgotische Hallenkirche mit barockem Flair

Stadtpfarrkirche St. Jakob

Die erste Jakobskirche entstand als Gotteshaus für die Bewohner der wittelsbachischen Neustadt bereits bald nach der Gründung, 1288 wurde sie erstmals urkundlich erwähnt. Der heutige mächtige Kirchenbau wurde um 1395 mit der Errichtung eines neuen Chores begonnen und zählt zu den bedeutendsten Sakralbauten der spätgotischen Hallenarchitektur in Süddeutschland. Karl Bosl bezeichnete St. Jakob 1981 in seinem Festvortrag anlässlich des Bayerwaldtages in Straubing als ein epochale Kirche und hob so ihre kunst- und kulturgeschichtliche Stellung hervor. 1989 wurde St. Jakob in den Rang einer päpstlichen „Basilika minor" erhoben und erfuhr damit eine hohe Würdigung ihrer Bedeutung für das geistige und religiöse Leben im Straubinger Land. „Basilika" als Bezeichnung für St. Jakob meint gerade diese durch einen Titel hervorliebenswerte Position, nicht die Architekturform einer Basilika mit hohem eigens belichtetem Mittelschiff und niedrigeren Seitenschiffen, wie wir sie in Straubing beispielhaft in der Basilika St. Peter vorfinden. In St. Jakob wird der gesamte Raum durch die Fenster der umlaufenden Außenhaut belichtet, die Seitenschiffe sind nur wenig niedriger als das Mittelschiff, das keinerlei Platz für eigene und seien es noch so kleine Lichtöffnungen besitzt. Schon in dieser Hinsicht erweist sich St. Jakob als typischer backsteingotischer Hallenbau. Allerdings ist dieser Kirchentypus keine Erfindung des späten Mittelalters, wie ein Blick in die altbayerische Sakrallandschaft des 15.und noch des 16. Jahrhunderts vermuten lassen könnte.



Zur Geschichte der Hallenkirchen

Hallenkirchen entstanden bereits in romanischer Zeit als gesamteuropäisches Phänomen und mit verschiedenen Wölbungs- und Deckenformen, nämlich als Halle mit Tonnengewölbe, mit Kreuz- oder vielteiligen Gewölben, mit offenem Dachstuhl oder auch mit flacher Holzdecke. Hauptgebiete der Verbreitung der romanischen Halle sind Südfrankreich, Nordspanien und Portugal mit ca. 400 Anlagen und Italien mit 250 derartigen Gotteshäusern. Das übrige Europa weist regionale Schwerpunkte und vereinzelte und verstreute Beispiele auf. Jedenfalls sollte die Wichtigkeit dieser Bauform für die romanische christliche Architektur nicht unterschätzt werden.

In Deutschland finden sich romanische Hallenkirchen in Nord- und Ostdeutschland, in Westfalen war die Bauform für Dorfkirchen üblich. Altbayern und Schwaben können nur einige Beispiele aus dem 12. Jahrhundert anbieten, die allerdings einen kurzen Blick verdienen, weil die wichtigsten in unserer näheren Heimat liegen. Neben St. Peter in Augsburg ist nämlich vor allem der Regensburger Raum zu nennen. Im südlichen Außenbereich Regensburgs wurde um 1110 die noch nicht vollendete neue Kirche des Benediktinerklosters Prüll geweiht. Die durchgehend dreischiffige Halle mit schlanken hohen Pfeilern und Kreuzgratgewölbe wurde zwar 1601 bis 1605 frühbarock umgestaltet, lässt jedoch die ursprüngliche romanische Raumstruktur noch bestens erkennen. Die Anlage von Prüll dürfte die 1150 erbaute Hallenkirche St. Leonhard, das spätere Gotteshaus der Johanniter in der Stadt, beeinflusst haben, außerdem die Halle in Bergen bei Neuburg und nicht zuletzt die Kirche des ehemaligen Zisterzienserklosters in Walderbach. Diese dreischiffige Pfeilerhalle aus der Zeit um 1170 bis 1180 weist im Mittelschiff ein Bandrippengewölbe auf und besitzt an den Gurten und Rippen noch eine seltene farbige ornamentale Bemalung. Die blauschwarzen Gewölbekappen dürften wohl das Himmelszelt verkörpern. Der im 18. Jahrhundert hinzugefügte weiträumige und lichtdurchflutete Altarraum mildert zwar die ursprüngliche, bei romanischen Hallen eventuell bewusst gesuchte Dunkelheit, beeinträchtigt aber insgesamt das charakteristische blockförmige Raumvolumen der Halle nur wenig.

Die Gotik griff bald schon in verschiedenen Teilen Deutschlands den Hallengedanken auf, z.B. im Paderborner Dom, in der Pfarrkirche von Herford, seit 1250 in der Marburger Elisabethkirche oder in den Backsteinbauten der hanseatischen Küstenstädte. In Österreich entstanden im Laufe des 13. Jahrhunderts z.B. die Zisterzienserchöre von Lilienfeld (1206 - 30) und Heiligenkreuz (vor 1295). Altbayern blieb dagegen der Bauform der Basilika verpflichtet. Verantwortlich dafür waren wohl weniger der kathedrale Dombau von Regensburg als vielmehr die Bettelordenskirchen der Dominikaner oder die um 1330 vollendete Minoritenkirche in Regensburg mit ihren gotisch steilen Proportionen und der flach gedeckten Bettelordensbasilika, an die sich ein schlanker, gewölbter Chor anfügt. Allerdings war mit diesem Kirchentypus und seiner antikathedralen Tendenz der Weg zur spätgotischen Hallenform ebenfalls vorbereitet. Außerdem konnte sich auch Altbayern auf Dauer nicht dem Vordringen der Halle aus dem Nordwesten, von Westfalen und Hessen und aus dem Osten, von Böhmen und Österreich verschließen, zumal sich Schwaben seit der Mitte des 14. Jahrhunderts der Hallenidee geöffnet hatte und sich im Inngebiet mit der Herrenkapelle am Passauer Domkreuzgang, der Pfarrkirche in Laufen und der Salzburger Bürgerspitalkirehe in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts ein Übergreifen der Hallenform im ostbayerisch-salzburgischen Grenzstreifen ergeben hatte. Noch vor der Jahrhundertwende setzte eine Entwicklung ein, die zu einer Blüte der spätgotischen Sakralarchitektur in Altbayern führen sollte.

Die Entwicklung der Hallenkirche in Straubing

Nach derzeitigem Kenntnisstand ist die „capellen unser lieben Frauen bei dem oberen thor", die spätere Jesuitenkirche, Straubings ältester sakraler Hallenbau. Aufgrund einer bedeutenden Tympanonskulptur mit einer aus dem Regensburger Kreis stammenden Mariendarstellung, erst 1996 aufgedeckt, kann bereits eine Entstehung um oder vor 1340 der 1368 erstmals erwähnten Liebfrauenkapelle angenommen werden. Sie würde damit zur Gruppe der frühesten gotischen Hallenräume in Altbayern gehören. 1432 wurde sie renoviert und evtl. nach Westen erweitert, ihre ursprüngliche Grundform dürfte dabei aber erhalten geblieben sein. Bis zur Neugestaltung des Raumes durch die Jesuiten ab 1680 verkörperte die am Ende des Stadtplatzes liegende Kirche eine Sonderform der Halle, nämlich einen zweigeteilten Raum mit einer Reihe von wahrscheinlich fünf, nach einer jesuitischen Grundrissbeschreibung sechs Mittelsäulen, die ein Netzrippengewölbe trugen. Solche Hallen mit Mittelsäulen oder Mittelpfeilern begegnen schon vereinzelt in der Romanik, ein frühgotisches Beispiel ist die Regensburger Synagoge aus der 1. Hälfte des 13. Jahrhunderts mit ihren drei Rundsäulen, die den zweischiffigen Raum nach Vorbild der 1174/75 vollendeten Synagoge in Worms unterteilten. Der entwicklungsgeschichtlich besonders bedeutende Bau solcher Art ist die Jakobinerkirche in Toulouse, begonnen 1260 und Anfang des 14. Jahrhunderts vollendet. Der dortige „Einraum"-Charakter läßt sich auch in Straubing durch die Einheit von Langhaus und polygonal geschlossenem, nicht eingezogenen Chor unter dem einen raumüberspannenden Dach nachvollziehen.

Im Jahre 1368 ließen sich die Unbeschuhten Karmeliten mit besonderer Billigung von Herzog Albrecht I. in Straubing in der Nachbarschaft der neu entstehenden herzoglichen Residenz an der Donau nieder und begannen ein Kloster zu bauen. Der Straubinger Bürger und Augsburger Dompropst Albrecht Steinhauf stellte Haus und Hof zur Verfügung, Herzog, Adel und Bürgertum spendeten reichlich. Die Baugeschichte der Klosterkirche begann schon bald nach der Niederlassung und ist gekennzeichnet von Umplanungen und Unterbrechungen. Doch im Laufe von etwa 60 Jahren entstand eine monumentale Bettelordenskirche mit einem langgestreckten, nicht eingezogenen, einschiffigen Chor und einem dreischiffigen Langhaus, das trotz der Barockisierung zu Beginn des 18. Jahrhunderts von den Dimensionen der späten Gotik geprägt ist. Als Baumeister des Straubinger Karmeliten-Chors gilt heute der 1410 als Dombaumeister in Passau verstorbene Hans Krumenauer, der Erbauer des Chors von St. Martin in Landshut. Das Langhaus dagegen wird übereinstimmend dem bedeutendsten Architekten der altbayerischen Spätgotik zugeschrieben, dem Meister Hans von Burghausen, der früher irrtümlich mit dem jüngeren Hans Stetthaimer verwechselt wurde.

Hans von Burghausen wurde um 1360 in Burghausen geboren und verstarb laut Epitaph an der Martinskirche am 10. August 1432 in Landshut. In der Inschrift unter dem berühmten Portraitkopf wird „hanns" stainmezz" als Meister der Martinskirche, und der Kirchen zu Spital - gemeint ist das Heilig-Geist-Spital in Landshut - und in Salzburg, Ötting, Straubing und Wasserburg ausgewiesen. Für Landshut werden seine zwei Kirchen explizit genannt, möglicherweise nicht nur deshalb, weil er in Landshut verschied und dort an einem seiner Hauptwerke ein Denkmal erhielt, sondern auch weil der Bereich des Spitals ursprünglich außerhalb der eigentlichen Stadt lag. Straubing tritt nur als Ortsname auf, damit ist die Frage nach dem Umfang der Tätigkeit des Hans von Burghausen in der wittelsbachischen Donauresidenz vom Epitaph her nicht abschließend zu klären. Allgemein gilt neben der Karmelitenkirche die St. Jakobskirche als sein Werk, ja sogar als sein erstes großes und selbständiges innerhalb eines architektonischen Schaffens, das offensichtlich nicht durch klare Einheitlichkeit sondern unter Beibehaltung der Errungenschaften der Hallenbauweise durch Anpassung an die jeweiligen Bedingungen, Vorgaben und Bedürfnisse gekennzeichnet ist.

St. Jakob als epochales Werk

Der Baumeister von St. Jakob in Straubing konnte von vorne herein als Schöpfer des gesamten Kirchenbaus auftreten, war nicht gebunden durch die Chorbauten eines Vorgängers wie bei St. Martin in Landshut und bei der Karmelitenkirche. So ist dieses Gotteshaus aus einem Guss, wurde trotz mehrerer Unterbrechungen bis in das 16. Jahrhundert hinein die Anfangsplanung beibehalten, entwickelte sich der Bau nach dem von Hans von Burghausen vorgegebenen Grund- und Aufriss und der von ihm durch den Chorteil festgelegten Raumform.

Natürlich darf St. Jakob nicht isoliert gesehen werden, sondern eingebettet in die Entwicklung der spätgotischen Hallenkirche. In einem Beitrag „Die St. Jakobskirche. Ein Versuch" in „Der Bayerwald", Heft 1/1981, habe ich mich bemüht, die besonderen Verbindungen zur Bauschule der Parler aufzuzeigen, insbesonders zum vorbildhaften Chor der ebenfalls augsburgisch-domkapitlischen Heiligkreuzkirche in SchwäbischGmünd, der seit 1351 von Heinrich Parler dem etwas älteren Hallenschiff angefügt worden war. Ohne Kenntnis der Architektur und Kunst der berühmten Parler-Familie ist auch Hans von Burghausens Baumeistertätigkeit kaum vorstellbar. Im Gegensatz zur Martinskirche in Landshut und ihrer Trennung von Chor und Langhaus schließt St. Jakob an das Schwäbisch-Gmünder Modell mit seiner Einheit von Chor und Langhaus und dem Zusammenrücken des östlichen Binnenpfeilerpaares an. Diese Stellung des Pfeilerpaares in einem Hallenchor hatte im deutschen Raum seinen Ursprung in Verden an der Aller, wurde neben SchwäbischGmünd z.B. um 1370 in St Sebald in Nürnberg übernommen und etwa zeitgleich mit Straubings Jakobskirche im schlesischen Neisse für die dortige Pfarrkirche St. Jakobi.

Die epochale Wichtigkeit von St. Jakob in Straubing liegt letztlich aber nicht in solchen Details sondern in der Gesamtanlage, die in ihrer Geschlossenheit trotz des Verlustes der spätgotischen Gewölbe nach dem Stadtbrand von 1780 für die backsteingotische Hallenarchitektur des 15. Jahrhunderts ihresgleichen sucht. Geradezu idealtypisch bringt die Jakobskirche den charakteristischen Gegensatz zwischen fast schmuckloser Einfachheit und Geschlossenheit des Äußeren und dem sich um so weiter und reicher entfaltenden Innenraum zum Ausdruck. Auch wenn die originale Höhe etwas vermindert ist, lässt sich im Vergleich mit der fast kathedralen Steilheit von St. Martin in Landshut der ebenfalls charakteristische Zug zur stärkeren Betonung der Horizontalen gegenüber der Vertikalen feststellen. Zwar steigen auch St. Jakobs Rundpfeiler schlank und den Blick nach oben lenkend empor, doch das Verhältnis von Breite und Höhe im Ganzen, auch die Breitenverhältnisse zwischen Haupt- und Seitenschiffen sind ausgeglichener. Von „reduzierter Gotik" zu sprechen ist nicht angebracht, weil die französische Kathedralbasilika dann zum einzig gültigen Maßstab erklärt wird, der dieser Entwicklung zur spätgotischen Stadt- und Bürgerkirche nicht gerecht wird. Zutreffender ist m.E. eine Zuordnung zur „internationalen Gotik" des beginnenden 15. Jahrhunderts und damit zu einer gesamteuropäischen Architektur- und Kunstströmung.

Hans von Burghausens Konzeption für St. Jakob erfuhr eine Variante in der Pfeilerstellung im Chor der Heilig-Geist-Spitalkirche in Landshut und im Chor der Salzburger Franziskanerkirche. Hier wie dort pflanzte er eine Säule vor das mittlere Chorfenster und modernisierte damit die Straubinger Lösung durch Steigerung des Licht-Schattenspiels und der Raumwirkung. Salzburg kommt dabei eine besondere Bedeutung zu. Im Franziskanerchor. korrespondieren die gewölbetragenden Rundsäulen wie schon in St. Jakob mit Halbsäulen als Vorlagen an den Wänden. Gerade in Straubing beruhigt dieses Mittel den Innenraum zusätzlich und sorgt für einen harmonischen Wohlklang, der durchaus an die Schönen Madonnen der Plastik dieser Zeit erinnert. Vielleicht könnte man St. Jakob deshalb als Bauwerk einer „Architektur des weichen Stils" um 1400 bezeichnen.

Die Kennzeichnung von Sakralbauten wie St. Jakob als typische „Bürgerkirchen" als Ausdruck bürgerlichen Geistes im Gegensatz zur feudal-adeligen Gesinnung der Kathedralen und Basiliken gerät leicht in die Nähe eines Pauschalurteils. Doch zeigen gerade Baugeschichte und Bauform von St. Jakob eine enge Verbindung zur Stadt und ihrem Bürgertum. Weder die älteste noch die kurz vor 1400 geplante neue Stadtkirche war die eigentliche Pfarrkirche. Diesen Rang durfte bis 1492 noch die Basilika St. Peter auf dem Altstadtfriedhof in Anspruch nehmen. Ohne den Aufstieg zur bayerischen Residenz eines Herzogtums Niederbayern Holland ist der Beginn eines Großbauvorhaben wie St. Jakob kaum vorstellbar. Auch die Förderung und Zustimmung der Augsburger Dompröpste war eine Voraussetzung. Aber insgesamt wurde der Bau über Generationen hinweg maßgeblich von der Bürgerschaft getragen, verwalteten vom Rat bestellte Männer die Baukasse, leisteten Bruderschaften, Patrizier, arme und reiche Leute ihren jeweiligen Obulus. Jenem genossenschaftlichen Element in der Baufinanzierung entspricht letztlich die architektonische Form. Der umlaufende Kapellenkranz ermöglichte die Bereitstellung von 20 Kapellenräumen, deren Verwendung zu Begräbniszwecken, für Altar- und Mess-Stiftungen, für Repräsentation und Demonstration von Frömmigkeit und Ansehen einen wesentlichen Beitrag zur Deckung der Gesamtkosten lieferte. Die Zusammenfassung aller Bauteile unter einem großen Dach, die sparsame Behandlung des Außenbaus mit den seitlichen Eingangsportalen und die Einturmfassade im Westen dürften auch im Sinne einer ökonomisch vertretbaren Bauabwicklung bürgerlichen Wünschen und Möglichkeiten entgegengekommen sein.

Die im Sinne der Zeit ausgesprochen moderne Straubinger Stadtkirche dürfte durchaus vorbildhaft gewirkt haben oder als ein Ausgangspunkt für weitere Entwicklungen im Hallenbau. Zumindest lässt dies ein Blick auf St. Martin in Amberg vermuten. Dort hatte man am 25. Mai 1421 mit dem Bau des neuen Chores der jetzigen Kirche begonnen und er ist St. Jakobs um 1418 gerade fertiggestellten Ostchorraum in der Stellung der Rundpfeiler brüderlich verwandt. Allerdings legt sich der Kapellenkranz in Amberg nicht um den Baukörper herum, sondern wurde zwischen den Strebepfeilern in den Kirchenraum selbst eingebunden und durch eine den ganzen Innenbau zusammenfassende Empore nach oben abgeschlossen. Damit wurde der in Straubing beschrittene Weg durch noch größere Vereinheitlichung des Bauwerks konsequent weiter verfolgt.

In Straubing hielt man wie erwähnt an der einmal gewählten Grundform fest, das Innere jedoch wurde zu einem Spiegel des jeweiligen Zeitgeschmacks und der sich verändernden künstlerischen Entwicklungen. Im Gegensatz zu mancher anderen Hallenkirche blieb in St. Jakob viel von diesem Mit- Neben- und Ineinander verschiedenster Stilrichtungen erhalten. So nimmt es nicht Wunder, wenn uns der von Glasfenstern des 15. bis 20. Jahrhunderts in manchmal geradezu mystisches Licht getauchte Raum auch mit einem Flair des Barock entgegentritt. Vor allem ein Künstler leistete zu dieser barocken Zutat wesentliche Beiträge: der Bildhauer und Stukkator Mathias Obermayr.

Ein Künstler für Stadt, Gäu und Vorwald

Mathias Obermayr kam am 14. Mai 1720 im Gäubodenfleck Meindling bei Oberschneiding als eines von 13 Kindern einer Bauernfamilie auf die Welt. Er wurde also in einer Zeit geboren, in der sich die Kunst des Barock in Bayern endgültig aus der Vorherrschaft der Italiener löste und zu eigener originärer Aussage und Gestaltungskraft fand. Von seinen sieben Brüdern übernahm der älteste Hans Michael das väterliche Anwesen, ein anderer heiratete auf einen Hof in Großenpinning, zwei wurden Geistliche, einer Chirurg, einer Weltenbummler und Wirt in Ungarn und Mathias Bildhauer. Wahrscheinlich begann er mit einer Lehre für diesen Handwerksberuf im nahen Straubing um das Jahr 1735 herum, möglicherweise bei dem Bildhauer und Stukkator Simon Hofer, von dem z.B. Arbeiten an den drei Altären in Ascha stammen und der vielleicht die barocken Apostelfiguren an den Halbsäulen der Jakobskirche schuf, die heute in Pfersee bei Augsburg stehen. Bestimmt folgten dann aber weitere Wander- und Lehrjahre, die Mathias nach wohlbegründeter Meinung seines besten Kenners Karl Tyroller - seiner sei auch an dieser Stelle gedacht - in ein Zentrum der süddeutschen Rokokokunst führten, nämlich ins schwäbische Wessobrunn oder doch in den Umkreis dieser bedeutenden Stätte des Stuckhandwerks.

Mathias Obermayr: Tabernakelengel in der Klosterkirche Windberg

1749, im Geburtsjahr Johann Wolfgang Goethes und in der Blütezeit des Rokoko, lokal gesehen nach endlicher Überwindung der Folgeschäden des Österreichischen Erbfolgekrieges, erwarb Obermayr in Straubing das Meisterrecht. Durch Heirat der Witwe seines Vorgängers und eventuell letzten Arbeitgebers Ignaz Hundertpfund übernahm er dessen Werkstatt und kam in den Besitz der Bildhauergerechtsame. Gerechtsame oder Gerechtigkeit bedeutete das Recht, einem Beruf in einer Gemeinde nachgehen zu dürfen. Für die Bildhauerei gab es in Straubing nur zwei; Obermayr übte nun eine Gerechtsame neben der des Anton Keller aus. Aus dem Jahr 1750 stammt die bislang erste Datierung einer Nennung Obermayrs in einer Straubinger Kirchenrechnung für eine Auferstehung und zwei kleine Engel.

Mäthias Obermayr füllte dann sein fünf Jahrzehnte umfassendes Schaffen mit einer Vielzahl von größeren und kleineren Werken, allerdings ohne jemals eine Monumentaliät erreichen zu können oder zu müssen, wie sie beispielsweise der Hochaltar bei den Karmeliten aufzuweisen hatte. Als Bildhauermeister und vor allem auch als vorzüglicher und allseits anerkannter Stukkator in der Haupt- und Regierungsstadt Straubing strahlte sein Können ins Land hinaus, in seine Gäubodenheimat, in das Donautal und in die Berge und Senken des Vorwaldes. Zu seinen Auftraggebern gehörten nicht nur die Pfarrherren, die Bruderschaften und Patrizier der Stadt und die Landpfarrer und Landadeligen des Umlandes, sondern auch die Äbte der großen Klöster Oberaltaich, Metten, Windberg und Mallersdorf. Die Tätigkeit für den niederen Adel des Bayerischen Waldes spiegelt sich in Epitaphien von Schwarzach und Saulburg bis Altrandsberg und Gotteszell wider.

Zumindest als Stukkator stand Obermayr mit seinen feinsten und besten Werken nicht hinter den Großen seiner Zeit zurück und dennoch blieb er ein seiner Heimat verbundener Lokalmeister, der nicht nach überregionalem Ansehen strebte oder streben konnte wie die Gebrüder Asam, deren Schaffen er in Straubing sichtbar und greifbar vor Augen hatte.

Eine erste große Aufgabe, mit der er sich mit einem Münchner Hofbildhauer und vielbeschäftigten Routinier messen musste, fiel Obermayr bereits im Jahre 1753 mit der Fertigstellung der Kanzel für die Jakobskirche in Straubing zu. Dort hatte man den kurfürstlichen Hofkünstler Wenzl Myrowsky mit der Erstellung einer neuen Kanzel beauftragt, trennte sich dann aber von dem Münchner aus finanziellen Gründen. Der „hiesige Künstler Maister Mathias Obermayr Bildthauer" und der Schreiner Klembt leiteten den kostspieligen Transport der bereits fertiggestellten Hauptteile der Kanzel nach Straubing, Obermayr sollte das Werk vollenden, d.h. die Kanzelstiege dem Kanzelkorb mit Schalldeckel hinzufügen. Er tat es mit offensichtlichem Selbstbewusstsein in bravouröser Manier und schon mit ganz persönlicher Note.

Man kann sich darüber streiten, wem der Vorrang an Kunstfertigkeit gebührt, m.E. doch Obermayr, der aus der sehr konventionell konzipierten Kanzel Myrowskys durch die letztlich nicht minder teuere Stiegenanlage erst dem Gesamtwerk eine wirkliche originelle Note verlieh. Der Münchner Hofkünstler stattete seine Teile mit gediegenem Rocailleschnitzwerk, gekonnten plastischen Reliefs und handwerklich einwandfreien Figuren aus. Obermayr dagegen gestaltete seine Treppe im nördlichen Seitenschiff zu einem Unikat, nicht nur durch die besondere Verarbeitung der Geschichte und Glorie des Hl. Johannes Nepomuk, sondern auch durch die außerordentliche Eigenständigkeit, die diese Stiege gegenüber der eigentlichen Kanzel gewann, ohne den Zusammenhang mit dem Ganzen zu verlieren. Eine solche raumbildende Komposition von Kanzel und Kanzelstiege dürfte nicht häufig anzutreffen sein.

Zudem fand Mathias Obermayr gegenüber dem plastischen Stil Myrowskys zu einem eigenen malerischen Stil bei der Verbindung von Bildrelief und Schmuckwerk am geschweiften Eingangsgiebel mit den bekrönenden Nepomuk-Putti und der Halbfigur des Heiligen und der geschwungenen Treppe. Während Myrowskys Rocaillewerk bei aller Kunstfertigkeit doch etwas schablonenhaft wirkt, wechselt Obermayr seine Formen, passt sie den Darstellungen aus der Nepomuklegende, der Altöttinger Madonna, des Heiligen Sebastian und des Heiligen Lorenz in den Relieffeldern an und erweist sich so als ein Künstler mit eigenem Charakter. Schon an der Kanzel von St. Jakob war ihm die abstrakte Form des RocailleOrnaments nicht Selbstzweck, sondern Basis für eine auf den jeweiligen Inhalt zu beziehende Dekorationsform. Hier wie später immer wieder in seinen Schnitzereien und Stuckaturen ergänzte er die abstrahierenden Formen mit konkretem Leben aber auch mit einer tieferen Symbolik und machte dies augenfällig durch mancherlei Zutat wie Putten, Figürchen, Rosen und Blüten.

Diese persönliche Note Obermayrs, diese für das bayerische Rokoko so kennzeichnende Verbindung von höchster Kunstfertigkeit und echter Naivität lebt fort in den schönsten Rokokofassaden am Straubinger Ludwigsplatz und in der Fraunhoferstraße, in den feinen Stuckaturen am kleinen Chor der Totentanz-Kapelle auf dem Friedhof St. Peter bis hin zur Spätblüte des Stuckgewands der Klosterkirche der Elisabethinerinnen. Die Kanzelvollendung in St. Jakob aber dürfte Meister Mathias zu frühem Ansehen im Straubinger Raum verholfen haben, denn schon 1755 erhielt er den Auftrag zur Stuckierung des großen Festsaals im Kloster Metten. Hier zeigte er sich von der eher höfischen Seite, ohne die bereits entwickelte eigene Handschrift zu leugnen. Vor allem erweist er sich bei allem Selbstbewußtsein als ein einfühlsamer Künstler, der wie bei der Kanzel von St. Jakob den Blick für das Ganze nicht verliert, sich einordnet und dabei sehr genau weiß, dass er den letzten Schliff bestimmt: „Die architektonische Form wird weder verdrängt noch übertönt. Der Stuck greift sie auf wie eine Melodie, die er vielfältig orchestriert mit zarten und mit schwellenden Akkorden, kein furioso, kein pianissimo - die Klangregionen dazwischen sind Obermayrs Domäne. Das empfindet man zu allererst und mit nachdrücklicher Steigerung bei längerem Verweilen: dieser Raum ist voller Musikalität, er singt und klingt auch ohne Geigenstrich und Trompetengeschmetter" (Tyroller, S. 22).

Kunst und Künstler im Wechselspiel des Lebens

Die Stadtpfarrkirche und päpstliche Basilika St. Jakob und Tiburtius in Straubing bietet durch eine ganze Reihe von Werken einen Einblick in das Gesamtschaffen des Mathias Obermayr. Sie besitzt mit der Kanzelstiege eine Besonderheit im Bau solcher Predigtstätten und ein herausragendes Denkmal der Nepomukverehrung. Die Krone im Schaffen unseres Künstlers aber gebührt dem Prämonstratenserkloster Windberg auf einem der ersten Ausläufer des Bayerischen Waldes hin zur Donauebene. Die altehrwürdige romanische Basilika erhielt nach 1750 eine neue Ausstattung. Mathias Obermayr stuckierte den Kirchenraum und schmückte ihn mit vier Seitenaltären an den Pfeilern aus. Doch wurden dies nicht Altäre der gewöhnlichen Art, sondern Wunder der Stuckaturkunst, die zum Besten, Originellsten und Liebenswürdigsten gehören, was altbayerisches Rokoko zu bieten hat. Eine wirkliche Würdigung würde den Rahmen dieser kurzen Betrachtung sprengen, deshalb sei nur das Urteil des bedeutenden Kunsthistorikers Adolf Feulner angeführt: „Es sind ganz köstliche Werke. Sie haben in der Skulptur des 18. Jahrhunderts eine Stellung, wie etwa Dominikus Zimmermanns Schöpfungen in der Architektur" (zitiert nach Tyroller, S. 30). Welch ein Lob, wenn man bedenkt, dass Zimmermann der Baumeister der Wies-Kirche war!

Windbergs Basilika darf sich aber noch weiterer wichtiger Werke des Mathias Obermayr erfreuen. Nach Arbeiten in der Klosterkirche Oberaltaich und natürlich immer wieder und dauernd in Straubing leitete der Meister mit den Skulpturen der Kirchenväter in Windberg in den 60er Jahren des 18. Jahrhunderts seine letzte große Schaffensperiode ein. Sie fand wiederum in St. Jakob ihren besonderen Ausdruck im eleganten Altar der Johannes-Nepomuk-Kapelle von 1773, speziell in der Figur des Heiligen Andreas. Er zeigt die rokokohafte schwungvolle Körpersprache bei doch verhaltener, nie übertriebener Ausdruckskraft mit einem für Obermayr bezeichnenden Zug zum Melancholischen, das aus der Tiefe der Seele kommt. Nie steigert er wie noch die Asams die Sprache der einzelnen Figur oder des ganzen Altars zu expressivem bernineskem Pathos, sondern neigt mehr zur Verinnerlichung, zur Vergeistigung, zum Rückzug der Figur in die eigene Sphäre, selbst wenn wie z.B. bei der Madonna der Pieta von Pfaffmünster der Schmerz sich in die äußerliche Gebärde umzusetzen wagt. Wer diese Unterschiede studieren will, sei wieder auf die Straubinger Jakobskirche verwiesen, auf das Altarbild mit dem gekreuzigten Andreas des Cosmas Damian Asam nach Vorbild der Laokoon-Gruppe in der Andreaskapelle und den großartigen vorhangumhüllten, von weit ausschweifender Kronenarchitektur übersteigerten Asamaltar der Mariä-Tod Kapelle. Die beiden Altarfiguren der Katharina und der Margaretha von Cortona wurden übrigens 1763 von Mathias Obermayr weitgehend neu gestaltet oder stammen gar von ihm, was zeigt: Auch der jüngere Lokalmeister musste sich gegenüber den ganz Großen nicht verstecken.

In den 70er Jahren des 18. Jahrhunderts begann die Kraft des bayerischen Rokoko zu erlahmen. Ein Edikt des Landesherrn forderte „edle Simplizität` in der Kunst und verwarf die „ungereimten und lächerlichen Zieraten". Die Künstler wandten sich mehr oder weniger überzeugt dem neuen klassizistischen Geschmack zu. Auch Mathias Obermayr konnte sich diesem Trend der Zeit nicht entziehen. Fleißig wie immer arbeitete er in Stadt und Land, doch begann seine Schaffenskraft abzunehmen, fand er im neuen Stil nicht mehr das ureigenste Element. Zudem litt das Kunsthandwerk bald wieder unter den Machtkämpfen der Zeit. Der Bayerische Erbfolgekrieg von 1778/79, in dem Straubing wieder einmal österreichisch besetzt war, blieb zwar dank des Eingreifens Friedrichs 11. von Preussen eine nur gut einjährige Episode, die Französische Revolution und die anschließenden Koalitionskriege bis hin zu Napoleon Siegeszug durch Europa brachten jedoch auch einen kulturellen Umbruch, in dem die alte Kunst des Rokoko endgültig unterging.

Mathias Obermayrs einst von innerer Heiterkeit beschwingte Gestalten werden steifer, seine Altarbauten bleiben gefällig und solide, verlieren jedoch ihre scheinbare Leichtigkeit, ihre reiche Profilierung und Eleganz. Besonders deutlich wird dies an einem seiner letzten größeren Werke, am Taufaltar von 1791 in der Jakobskirche mit seiner klassizistischen Nische und der in sie hineingestellten Täufergruppe. Unverkennbar und charakteristisch bleiben freilich bis zuletzt Obermayrs zur Breite neigenden Gesichter mit der niedrigen Stirn, den auseinander stehenden Augen und dem in sich gekehrten Blick, wie er uns noch einmal in der Sebastiansstatue von 1787 in St. Jakob entgegentritt.

Der jahrzehntelang so angesehene, viel beschäftigte, nicht reich doch ausreichend entlohnte Bildhauer und Stukkator Mathias Obermayr richtete 1798 ein Bittgesuch um ein Almosen an die Kongregation Mariä Verkündigung, weil ihn sein Beruf aufgrund der „so Langen Anhaltenden Kriegszeit und der so villen quatier und Durch Marsch" nicht mehr ernähren konnte. Er erhielt 2 Gulden 24 Kreuzer. Am 15. Dezember 1799 starb Obermayr in bitterer Armut.

In seinem Todesjahr begann die große Verwaltungsreform im Kurfürstentum Bayern, in deren Folge 1802 die Städte und Märkte ihre Polizeigewalt und die eigene Gerichtsbarkeit verloren. Straubings zentralörtliche Funktion schien zwar noch ungefährdet, doch mit einem weiteren entscheidenden Schritt zur Neugestaltung des Staatsgebietes bekam auch die alte Haupt- und Regierungsstadt an der Donau die Folgen der Reform zu spüren. 1808 wurde das nunmehrige Königreich Bayern in neue Kreise eingeteilt, die französischem Vorbild folgend 0nach Flüssen benannt wurden. Straubing lag im Regenkreis und nahm immerhin noch den Rang einer Hauptstadt in diesem Verwaltungsbezirk ein. Eine neuerliche Modifizierung der Kreise im Jahre 1810 machte dann Regensburg zur Hauptstadt. Straubing kam zum Unterdonaukreis, dessen Generalkommissariat jedoch nicht in der Gäubodenstadt präsidierte, sondern in Passau. Straubing verlor seine jahrhundertealte Stellung als niederbayerische „Regierungsstadt`, die sie in besonderer Weise vor allem mit großen Teilen des Bayerischen Waldes verbunden hatte.

Literatur:

Dick E.H. de Boer, Mittelpunkt in der Ferne. Die Rolle Straubings in der holländisch-bayrischeu Verwaltung um 1390. In: Historischer Verein für Straubing und Umgebung (Hrsg `. 1100 Jahre Straubing 897 - 1997, Straubing 1998, S. 119 - 148

Jörg Haller, „Wald Heil!". Der Bayerische WaldVerein und die kulturelle Entwicklung der ostbayerischen Grenzregion 1883 bis 1945, Grafenau 1995 (Regensburger Schriften zur Volkskunde Band 11)

Johannes Prammer: Gäubodenmuseum Straubing. Abteilung Vorgeschichte (Katalog), Straubing 1987

Eva und Karl Tyroller, Mathias Obermayr, Straubing 1976 (Straubinger Hefte Nr. 26)

Der Bruder Straubinger

ist eine literarische Erfindung nach einem Sauflied des Landshuter Medizinstudenten Carl Theodor Müller, der später in der Löwenapotheke zu Straubing Medikamente mixte und dann Amtsphysicus in Kötzting und Bezirksarzt in Vohenstrauß war.
Von Straubing ausgehend trat er seinen Siegszug an und fand Eingang in vielen Gedichten, Liedern und auch Operetten. Die Figur des Bruder Straubinger gilt ganz allgemein als das Synonym des Handwerksburschen, der sich unbeschwert und frei von Sorgen auf der Walz befindet. Die Straubinger haben diesem liebenswerten Gesell im Jahre 1962 ein Denkmal gesetzt. Auf dem Weg in die Altstadt begegnet man ihm an der Ecke Stadtgraben/Steinergasse. Zur Eröffnung des Gäubodenfestes marschiert der „Bruder Straubinger" an der Spitze des Festzuges. -hr-












 
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